Geheimnisvoller Schwarzwald

Geheimnisvoller Schwarzwald

Geheimnisvoller Schwarzwald: Auf den Spuren von Hexen und Nixen

Weilheim an der Teck Bertoldsplatz und Peterskirche

Mystische Herbststimmung am Feldsee

In den Tiefen des Schwarzwaldes, wo die Bäume so dicht stehen, dass das Licht kaum den Waldboden erreicht, wo atemberaubende Schluchten die Landschaft zerfurchen und Flüsse sich rauschend hunderte Meter in die Tiefe stürzen, da ranken sich Geschichten um Hexen und Werwölfe. Hier, wo die Natur noch unberührt ist, erzählt man sich von verschollenen Goldschätzen und Riesen. Die Flüsse und Wälder des Schwarzwaldes boten den Menschen damals wie heute ein Füllhorn an Inspiration für ihre Mythen und Legenden. Was also versteckt sich in den dichten Baumkronen, hinter tosenden Wasserfällen und in den Tiefen der Karseen?

 

Als Kulturwissenschaftler kann ich keinen Ort erkunden, ohne mich auch über die heimischen Hexen, Monster und anderes märchenhaftes Getier zu informieren. Das hat auch, aber nicht nur, wissenschaftliche Gründe. Auch aus reinem Überlebenswillen heraus möchte ich schließlich wissen, welche Monstrosität mir eventuell beim Schwarzwälder Vesper mitten im Wald den Schinken vom Brot stehlen könnte und ob es sich lohnt, dafür in den Kampf zu ziehen (bei allem, was mir höher als bis zum Knie reicht, lautet die Antwort: Nein).

Der Schwarzwald bietet, schenkt man den alten Schriften und Reiseberichten und den fast schon vergessenen Erzählungen Glauben, einer wahren Fülle an Zauberwesen ein zu Hause. Kaum ein Städtchen existiert, das nicht vor hunderten Jahren einmal von mindestens einer Hexe oder einem Werwolf heimgesucht wurde. Aber starten wir unsere Reise ins Reich der Mythen und Legenden doch erst einmal mit einer schönen Begegnung.

Julias Cäsar und das Einhorn

 

In seinem über 2.000 Jahre alten Bericht de Bello Gallico schreibt Feldherr Julius Cäsar, er habe im Schwarzwald einmal ein Einhorn gesehen. Für viele Kinder von heute sicherlich ein Lebenstraum, dem Feldherren Cäsar war es nur eine Randnotiz wert. Er beschrieb das Tier als ein hirschähnliches Wesen, dem mitten auf der Stirn ein Horn aus dem Schädel wächst. Historiker sind sich zwar uneins, vertreten aber die Theorie, dass Cäsar vermutlich wirklich einen Hirsch mit abgebrochenem Geweih beschrieben habe oder das Tier nur von der Seite betrachten konnte und das zweite Horn schlicht verdeckt war.

 Die Wahrheit über die Existenz des Schwarzwälder Einhorns kennt nur Cäsar. Dennoch entwickelten sich im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte zahlreiche Geschichten, Gerüchte und Phantasien zu diesem Tier, das erstaunlich schwer zu fangen scheint. Selbst die Theorie, dass es sich nur zu den Füßen einer Jungfrau niederlasse, weil es von deren Reinheit magisch angezogen werde, hat sich in der Praxis als nicht praktikabel erwiesen.

Immerhin: In deutschen Mädchen- und durchaus auch vielen Jungenzimmern wächst die Einhorndichte Jahr für Jahr weiter an.

Weilheim Peterskirche

Als könne der Titisee kein Wässerchen trüben: Doch der Schein trügt – um den Gletschersee im südlichen Schwarzwald ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden

Die Stimme aus dem Titisee

 

Nicht nur für Klassenfahrten ist der Titisee eine Reise wert (Kenner von deutscher Rockmusik der 80er Jahre werden diesen Wink verstanden haben). Um den Gletschersee im südlichen Schwarzwald ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden. Wer diesen Geschichten auf den Grund gehen möchte, der kann vom Kurhaus Titisee starten und den See einmal auf sechs Kilometern Strecke umrunden. Und wer weiß, was er dabei alles sieht und hört?

 So soll der See alten Berichten nach, eine unermessliche Tiefe besitzen, und möchte man ihn vermessen, warne eine dunkle Stimme aus den Tiefen des Sees: Ergründest du mich, so ersäufe ich dich oder Willst du mich messen, so will ich dich fressen. Auch eine versunkene Stadt soll sich am Grunde des Sees befinden, die einst von Gott selbst als Strafe für Brotfrevel überflutet wurde. Die Bewohner höhlten nämlich Brotlaibe aus, um diese dann als Schuhe zweckzuentfremden.

 Wer nun schon sein Zimmer am Schluchsee im Südschwarzwald oder am Feldsee im Hochschwarzwald reserviert hat, aber auf dunkle Stimmen aus den Tiefen eines Sees nicht verzichten möchte, kann aufatmen. Dieselben Geschichten erzählt man sich nämlich auch über den Feldsee und den Schluchsee und diverse kleinere Karseen in der Region.

Weilheim Peterskirche

Droht Ungemach in den Tiefen des Feldsees?

Bunter Schluchsee

Auch um den Schluchsee ranken sich Geschichten

Die Nixen vom Mummelsee

 

Wo Mummeln und Menschen sich tummeln, da werden auch Geschichten von Liebe und Leid erzählt. Umrunden kann man den Mummelsee in zweieinhalb Stunden auf etwas über sechs Kilometern. Die Strecke rund um den Mummelsee zählt zu den Schwarzwälder Genießerpfaden.

 Obwohl der Mummelsee seinen Namen offiziell von den weißen Seerosen hat, die dort einmal wuchsen und im Volksmund auch Mummeln genannt werden, existieren noch andere Theorien, wie der Name des Sees zustande kam. Einer alten Legende nach lebten am Grunde des Sees liebliche und reizende Nixen in einem kristallenen Schloss. Diese Nixen nannten die Bewohner Mümmlein. Und so kamen die Nixen Nacht für Nacht an die Oberfläche und vollführten dort Tänze und schäkerten mit den meist männlichen Dorfbewohnern.

 Wie man es aber aus Märchen kennt (Aschenputtel kann ein Liedchen davon singen), mussten die Mümmlein bei Einbruch der Dunkelheit wieder zurück im See sein. Eines Abends habe eine der Nixen sich bei einem Tanz in einen Bauernsohn aus Seebach verliebt und vor lauter Tanzen den Anbruch der Dunkelheit verpasst. In einer anderen Variante der Legende habe der Bauerssohn die Uhr heimlich um eine Stunde nach hinten verstellt, damit das Mümmlein nicht so schnell wieder entfliehen musste. Ihren Fehler erkannt, eilte das Mümmlein mit dem Bauerssohn zurück zum Mummelsee, wo sich das Wasser teilte und eine marmorweiße Treppe erschien, die ins kristallene Schloss hinabführte. Hinter dem Mümmlein schloss sich das Wasser wieder. Plötzlich färbte sich der See blutrot. Es war das Blut des Mümmleins, das für seine Liebe sterben musste. Seither habe man keine Mümmlein mehr gesehen – oder vielleicht doch? Eine Bronzestatue auf einem Felsen im Mummelsee erinnert jedenfalls an diese Geschichte.

Die Hexe vom Kandel

 

Neben liebreizenden Wassernixen und Einhörnern, hat der Schwarzwald durchaus auch Bedrohliches zu bieten. Als da wäre die Hexe Gfällrote von Waldkirch. Auferstanden aus der Asche eines Scheiterhaufens, treibt sie mit ihren zwei Höllenhunden auf dem Kandel ihr Unwesen. Wer sein Glück herausfordern möchte, kann in zweieinhalb Stunden panoramareich um den Kandel wandern. Aber Vorsicht vor Baumstümpfen.

Gfällrote tritt nämlich als Gestaltwandlerin auf und kann sich bei Gefahr in einen Baumstumpf oder andere harmlos wirkende Flora verwandeln. Verletzten oder töten kann man Gfällrote nicht, wohl aber ihre beiden Geisterhunde, die sie aber immer wieder auferstehen lassen kann. Mein Tipp: Beim Vespern am Kandel lieber nicht die komplette Wurst aufessen. Man weiß nie, welche Geisterhunde man damit noch bei Anbruch der Dunkelheit besänftigen muss.

Weilheim Peterskirche

Das Calwer Schafott: Zeuge einer grausamen Zeit

Riesen, Geisterhunde und verschollene Goldschätze

Nicht unerwähnt bleiben sollen der Riese bei Bad Liebenzell, der frischvermählte Bräute und bei Bedarf auch andere Menschen fraß und deren Gebeine aus seinem Turm herauswarf, sodass sie eine Viertelstunde später wieder auf dem Boden landeten und sich dort über die Jahre ein Berg aus Knochen geformt hat, den man heute noch Beinberg nennt. Auch diese Geschichte lässt sich erwandern. Rund 5 Kilometer Strecke führen auf diesem verwunschenen Erlebnispfad vorbei an spannenden Stationen aus dem Leben des Riesen, zum Beispiel seinem Kinderzimmer, seinem Esstisch und natürlich dem Turm, in dem er lebte.

In der Nähe von Calw sollen sich Ruinen des alten Schlosses Waldeck befinden, dessen Inhaber die Vasallen und Truchsesse der Grafen zu Calw waren. Es heißt, ein Raubritter habe hier unermessliche Schätze angehäuft und tief in einem unterirdischen Versteck mitten im Berg verborgen. Bewacht wird dieses Versteck von einem schwarzen Geisterhund. Auch wandle in den Ruinen und ihren unterirdischen Gewölben der Geist der Tochter des Raubritters, die Jungfrau im Schacht genannt wird und bis heute auf ihren Erlöser oder ihre Erlöserin wartet. Das kann sich lohnen, denn wer den Geist der Dame befreit, kann sich zwar nicht deren Liebe, aber immerhin eines unermesslichen Goldschatzes sicher sein.

Fachwerkidylle in Calw

In den geheimnisvollen Wäldern über Calw

Auf in den Schwarzwald!

 

Im Schwarzwald wandelt man auf den Spuren von Hexen, zauberhaften Tierwesen und furchteinflößenden Riesen. Schon immer beeinflusste der Wald die Phantasie der Menschen, nährte deren Furcht und ist damit auch ein Spiegel einer längst vergangenen Zeit. Jedes Dorf hat seine eigene Folklore, seine ureigenen Geschichten. Noch heute kann man beim Wandern durch den Schwarzwald diese archaischen Kräfte spüren, die diese faszinierende Landschaft ausstrahlt. Für mehr Informationen rund um den Schwarzwald, siehe diesen Schwarzwald-Guide.

 

Fotos: Evelyn Scheer 

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Wie ticken die Menschen im Land? Ein baden-württembergisches Duell

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Eine Erfolgsgeschichte ist es gewiss. Doch wie steht es um die Menschen im Land? War es nur eine Zweck- oder auch, zumindest ein ganz kleines bisschen, eine Liebesheirat? Sind Badener und Württemberger mittlerweile ziemlich beste Freunde oder ewige Rivalen? Ich will es genau wissen und befrage ein badisches und ein württembergisches Urgestein gemeinsam im Doppelinterview. Daniel ist ein Urbadener, geboren in Freiburg und nun in Karlsruhe zu Hause. Ralph ist ein Urschwabe, gebürtiger Ulmer, der im Kreis Esslingen wohnt und in Stuttgart arbeitet. Genug Zündstoff also? Stuttgart versus Karlsruhe oder gar Baden versus Württemberg?

Völkerverständigung auf dem Grenzweg 🙂

 

Passend dazu sind wir, Schwaben und Badener, unterwegs auf dem Grenzweg im Schwarzwald entlang der ehemaligen baden-württembergischen Grenze von Freudenstadt nach Kniebis. Wir wandeln auf historischen Pfaden „zwischen den Fronten“, mal im einen, mal im anderen Landesteil. Zahlreiche Wurzeln und Grenzsteine sind unsere Wegbegleiter. Hindernisse wie Brombeeren und Farn, die den Weg überwuchern, werden heldenhaft zur Seite gewischt. Zu unserer Freude wuchs das Vesper gleich am Wegesrand: Blaubeeren, soweit das Auge reicht. Auch wenn der Weg nicht immer deutlich zu erkennen war, verloren wir das Ziel nicht aus den Augen: das Interview, das wir auf der Kniebishütte auf dem Kniebis – die ebenfalls in beiden Landesteilen beheimatet ist – in einer Höhe von 935 Metern führen wollten.

Wasserfall - Drei Schluchten

Schwarzwaldidylle: unterwegs auf dem Baden-Württembergischen Grenzweg

Ein Blick ins Innere der Menschen in Baden-Württemberg

unser BW: Ein Geburtstag ist ja auch immer eine Zeit, sich Gedanken zu machen und die Geschichte Revue passieren zu lassen. Nach 70 Jahren ist es für die meisten Landsleute selbstverständlich in EINEM Bundesland zu leben. Oder etwa doch nicht? Wie sieht das bei euch aus?

Daniel: Ich bin ja noch gar keine 70, von daher …

Ralph: Genau, damals waren wir noch nicht dabei

Daniel: Eben. Ich glaube, ich habe das eher durch die Eltern mitbekommen. Beim Aufwachsen hieß es immer „die Schwaben und so …“

unser BW: Das heißt, die Eltern hatten gefrotzelt?

Daniel: Ja, die Schwaben waren immer „die in Stuttgart“ und was machen die schon wieder? Also die Landesregierung war so ein Thema und auch grundsätzlich hieß es „die spinnen, die Schwaben“.

unser BW: Aha? Die spinnen? Ich dachte immer, das tun die Römer … (bei Asterix und Obelix, Anmerkung der Redaktion)

Daniel: … und die Vorurteile gab es, zum Beispiel: Pfennigfuchser und sparsam.

Ralph: Bei uns war es ähnlich. Im Endeffekt bekam man es auch über die Eltern mit. Ich hatte eine Tante in Schwenningen. Man hatte registriert, dass Villingen-Schwenningen damals zwangsverheiratet wurde und dass es dort einen badischen und einen württembergischen Teil gab. Aber da wir in Ulm weit weg von Baden waren, war das eigentlich nicht so das Thema.

unser BW: Daniel, du bist Baden stets treu geblieben. In Südbaden, in Freiburg, geboren, hast du dich entlang des Rheins gen Norden bewegt. Karlsruhe ist nun dein Lebensmittelpunkt. Hat dich der württembergische Landesteil nicht gereizt?

Daniel (lacht): Fangfrage … Darüber habe ich nie nachgedacht, das hat sich einfach so ergeben. Ich muss aber dazu sagen, ich mag den Karlsruher, aber den Dialekt finde ich furchtbar. Bei uns hat man zu Hause alemannisch gesprochen, das fand ich ja noch nett. Selbst schwäbisch hört sich für mich noch besser an als der Karlsruher Singsang.

unser BW: Ralph, du als gebürtiger Ulmer hast dich bis in die Landeshauptstadt vorgearbeitet. Zufall oder bist du bewusst in Württemberg geblieben?

Ralph: Reiner Zufall. Ich wollte damals nach der Bundeswehr in eine andere Stadt zum Studieren, und in Stuttgart war die nächste Universität. Ich habe mir da nicht so viele Gedanken gemacht. Während des Studiums fing ich bei Drees & Sommer in Stuttgart an und da bin ich heute noch. Von daher ist es auch eher unspektakulär.

Daniel: Würdest du jetzt noch mal nach Baden ziehen?

Ralph: Das könnte ich mir durchaus vorstellen. Ich bin da echt offen. Ich bin für knapp 6 Jahre nach Wien gezogen und würde auch nach Baden ziehen.

Daniel: Ins Schwäbische würde ich auch noch ziehen. Aber nicht nach Stuttgart. (lacht)

Weilheim Peterskirche

Treffen sich ein Schwabe und ein Badener … Plausch auf dem badischen „Schwätzbänkle“ 

Traditionsfeindschaft oder Zugehörigkeitsgefühl?

unser BW: In Anlehnung an den PR-Gag der Landesregierung „Nett hier. Aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?“ gab es in Karlsruhe die Aktion „Hässlich hier. Aber waren Sie schon mal in Stuttgart? Karlsruhe. Wir können alles ab. Außer Schwaben.“ Dieser Spruch war vor einem Jahr auf Stickern in Karlsruhe zu lesen. Ist das nur eine Städterivalität oder steckt mehr dahinter? Oder gar nichts?

Daniel: Ich glaube, da geht es um mehr als eine Städterivalität. Da geht es um die Schwaben. Aber das ist auch nur diese Frotzelei. Es gab diese Ressentiments, die bis heute erhalten blieben. Das ist eine Hassliebe. Ich wüsste jetzt niemanden, der die Schwaben abgrundtief hasst.

Ralph: Ich glaube, früher war das eher noch so gemeint, da gab es zudem den Konflikt katholisch und evangelisch. Mittlerweile ist es, so wie du es auch sagst, eher so ein Gefrotzel. Ich würde das jetzt nicht ernst nehmen und dass das jemand wirklich so meint.

Daniel: Das ist auch eine Art von Zugehörigkeitsgefühl. Wir machen einen Spaß über andere Kulturen im eigenen Land und nicht über andere Bundesländer. Das bleibt im Ländle. Wobei es im ländlichen Bereich schon noch echte Rivalitäten gibt.

unser BW: Mir kommt gerade die nicht so nette aber irgendwie auch lustige Frage in den Sinn: „Woher kommt der Schwabe, und warum ist er nicht dort geblieben?“ Kann es sein, dass die Badener eher als die Schwaben mit dem gemeinsamen Bundesland hadern und die Traditionsfeindschaft pflegen?

Daniel: Ich kenne natürlich nur die badische Seite …

unser BW: … die interessiert mich jetzt ja gerade.

Daniel: Ich hatte zum 70. Geburtstag des Landes eine Doku gesehen, bei der sich Historiker darüber ausgetauscht haben. Eine Historikerin meinte, dass der Hass in Karlsruhe aus historischen Gründen so ausgeprägt sei, da die Karlsruher den Schwaben noch heute vorwerfen, ihnen die Landeshauptstadt genommen zu haben. Aber sonst … ich kenne zu wenig Schwaben, als dass ich die Frage beantworten könnte.

Ralph: Ich habe festgestellt, dass es mehr Witze von den Badenern über die Schwaben als andersrum gibt. Wir haben uns schwergetan, etwas zu finden. Aber das bestätigt ja jetzt, dass das Thema von Baden in Richtung Schwaben ausgeprägter ist.

Daniel: … oder es bestätigt die Tatsache, dass man über die Schwaben mehr lachen kann.

Ralph: Das kann natürlich auch sein. (alle lachen)

unser BW: Kennt ihr auch Sticheleien oder Witze, mit denen sich die Württemberger gegenüber den Badenern abgrenzen, also Badenerwitze?

Ralph: Ich kenne nur die anderen.

unser BW: Ja, ich auch. Es gibt Badische und „Unsymbadische“ …

Ralph: Ja, und über Baden lacht die Sonne, über Württemberg die ganze Welt.

Daniel: Das wüsste ich gar nicht … Das stört mich auch nicht als Badener.

Ralph: Da müssten wir welche erfinden.

Der kleine Unterschied zwischen Badenern und Schwaben

unser BW: Gibt es sie überhaupt, die Unterschiede zwischen den Verwandten in beiden Landesteilen? Was ist für dich typisch schwäbisch und typisch badisch?

Ralph: Schwäbisch ist sicher „schaffe, schaffe, Häusle baue“. Das ist schon sehr ausgeprägt, dass man sich zu Tode arbeitet und zu wenig genießt. Ich glaube, die Badener können schon auch genießen.

Daniel: Och ja. Also das habe ich im Alemannischen mitbekommen, das Gemütliche, dann noch ein Viertele trinken und das Schwätzen, alles immer der Reihe nach. Und der Schwabe war immer „schaffe, schaffe, Häusle baue“ und den Pfennig dreimal herumdrehen. Nicht zu vergessen die Kehrwoche. Das hatten wir zwar auch, aber irgendwie war klar, das ist aus dem Schwäbischen.

Ralph: Ja, das ist auch so ein Klischee. Aber an so etwas ist natürlich auch immer etwas dran. Gebt ihr euer Geld dann einfach eher aus als die Schwaben?

Daniel:  Das kannst du nicht verallgemeinern. Ich glaube, bei dem Vorurteil spielt mit rein: die Schwaben mit der Landeshauptstadt, Stuttgart und Verwaltung – die schauen aufs Budget. Also ich spare jetzt nicht viel und lebe auch lieber.

Ralph: Typischer Badener. Und wir sparen wie die Bekloppten. Nein, uns hat schon ein bisschen auch Wien geprägt, weil die auch mehr Wert auf das Leben legen, kleinere Autos fahren aber dafür gut essen gehen und guten Wein trinken.

Daniel: Das ist wie die badische Gemütlichkeit.

Ralph: Wir haben versucht, das nach Schwaben zu importieren. Da können wir uns eine Scheibe von den Badenern abschneiden. Aber „schwäbische Gemütlichkeit“, gibt es das nicht auch?

Daniel: Das ist jetzt ein geflügeltes Wort.

Ralph: Da kommst Du halt als Externer nicht rein. (alle lachen)

Daniel: Das haben wir, glaube ich, beide. Mir hatte einmal ein Freund erzählt, als er nach Karlsruhe gezogen ist, hatte er riesige Probleme. Er hatte das Gefühl, dass die so pampig zu ihm waren, ihm fehlte so ein bisschen die Herzlichkeit, die er bei uns unten in Freiburg hatte. Er kam vom Bäcker zurück, war total fertig und fragte sich „Hey, was ist denn hier los?“.

Jedem sein Bänkle: Hier das schwäbische Bänkle

… und dort das badische Schwätzbänke

KSC oder VfB – das ist hier die Frage

unser BW: Nun habe ich noch etwas, das das badische und württembergische Blut zum Kochen bringen kann: Spätestens beim Fußball endet die Freundschaft: Für welche Mannschaft schlägt dein Herz? Karlsruher SC oder VfB Stuttgart oder der SC Freiburg?

Daniel: Ich bin jetzt nicht der Fußball-Fan, aber SC Freiburg schon eher. Ich mag weder Stuttgart noch den KSC. Ich finde die Rivalität immer lustig. Früher hieß es, der SC Freiburg seien die Breisgau-Brasilianer. Die waren mal richtig gut und haben sich hochgespielt in die Bundesliga. Dann wurden die ganzen guten Spieler rausgekauft und sie stiegen wieder ab. Und auch der Christian Streich ist ein typischer Badener. Wie er spricht und was er von sich gibt, so bin ich aufgewachsen. Der erinnert mich an meinen Vater.

Ralph: Der ist echt unaufgeregt und irgendwie immer entspannt, oder?

unser BW: Und du, Ralph?

Ralph: Ich bin Handballer, kein Fußballer. Wenn man im Raum Stuttgart wohnt, dann ist man schon für den VfB. Aber „Fan“ ist ganz weit weg. Ich beobachte das und wenn sie absteigen, bedauere ich es.

Maultaschen, Schäufele und Kässpätzle

unser BW: Aber mal abgesehen davon, sind wir doch eins. Wie für Ministerpräsident Winfried Kretschmann gibt es nur noch Baden-Württemberger. So, und jetzt gibt es dazu den ultimativen Test: Schwäbische Maultaschen oder badische Schäufele? Bei welchem Essen läuft dir das Wasser im Mund zusammen? Was ist dein schwäbisches beziehungsweise badisches Lieblingsessen?

Daniel: Ich oute mich jetzt gleich einmal und gebe zu, dass ich als schwäbisches Gericht nur Maultaschen kenne.

unser BW: Das ist doch schon einmal gut. Ist das dann auch deine schwäbische Leibspeise?

Daniel: Nein. Ich kenne Käsespätzle aus dem Schwäbischen, aus der Bodenseeregion. Das finde ich lecker. Das waren so selbstgeschabte, das wäre mein schwäbisches Lieblingsessen. Und dann gibt es bei uns noch ganz traditionell einmal im Jahr, auch wenn das nicht mein Lieblingsessen ist, Schäufele mit Kartoffelsalat. Das gab es bei uns früher immer an Weihnachten.

Ralph: Essen finde ich echt schwierig, da habe ich Moment keine Assoziationen. Schwarzwälder Kirschtorte finde ich super. Spargel vielleicht, zum Beispiel aus Bruchsal. Mein schwäbisches Lieblingsessen sind Maultaschen und Linsen mit Spätzle.

Weilheim Peterskirche

Grenzenlos durch das Land 

Der kleine Unterschied zwischen Badenern und Schwaben

unser BW: Was sagst du, wenn dich jemand, sagen wir mal ein Berliner, fälschlicherweise als Schwaben oder Badener bezeichnet?

Daniel: Das geht gar nicht! Da kläre ich den gleich mal auf, dass es da in Baden-Württemberg einen großen Unterschied zwischen den Schwaben und den Badenern gibt, und dass ich aus Baden komme. Das ist dann auch gleich ein ganz guter Opener für ein Gespräch.

Ralph: Das würde ich schon auch klarstellen. Also das wäre jetzt nicht schlimm, aber ich würde schon erklären, dass ich aus dem württembergischen Teil komme. Wahrscheinlich würde er das gar nicht machen und uns, wenn überhaupt, als Baden-Württemberger ansprechen. Er kennt wahrscheinlich den Unterschied gar nicht.

unser BW: Oder uns alle als Schwaben bezeichnen.

Daniel: Ja, Süddeutschland hört eh bei Stuttgart auf, und ab da ist alles Schwabenland.

unser BW: Wobei historisch betrachtet, die (Süd-)Badener Schwaben sind. Das ist leider so. (An Daniel gerichtet): Ich weiß, das hört ihr nicht gerne, aber das habe ich jetzt in meinen Recherchen wieder aufgedeckt (alle lachen). Ihr habt da schon ein hartes Los. (Das heutige Mittel- und Südbaden wurde vor einigen Jahrhunderten von Schwaben beherrscht, Anmerkung der Redaktion).

Daniel: Deshalb müssen wir uns ja so positionieren. Ich glaube auch, dass diese Unterscheidung eher noch von einem Deutschen kommt. Im Urlaub erzählst du, dass du aus Deutschland kommst, vielleicht mit der Ergänzung „aus Baden-Württemberg“.

Ralph: Aus dem schönen Süden.

Daniel: Genau.   

Beim Erfindergeist sind alle gleich

unser BW: Viele berühmte Erfinder kommen aus dem Land. Ist es für euch wichtig, aus welchem Landesteil er stammt? Dazu passt auch die Frage: Ist das berühmte Auto mit dem Stern ein Daimler oder ein Benz? (Carl Benz war Badener, Gottlieb Daimer war Württemberger, Anmerkung der Redaktion)

Ralph: Einer kommt aus Schorndorf. Das finde ich egal. Wenn es um Erfindungen geht, fühlt man sich dann schon als ein Bundesland.

Daniel: Baden-Württemberg ist das Land der Erfinder und Denker. Ich sehe das als ein Land und es ist mir Wurst, ob das ein Schwabe oder Badener war. Es ist ein Baden-Württemberger, dann zähle ich die Schwaben lieber noch mit. (alle lachen)

unser BW: So werden es in der Summe einfach noch ein paar mehr …

Daniel: Und dann gab es den Drais, der das Fahrrad erfunden hat.

Ralph: Albert Einstein, ein Ulmer, aber da war er nur ganz kurz.

Daniel: Die erste E-Mail kommt auch aus Karlsruhe

Weilheim Peterskirche

Karlsruhe versus Stuttgart – ein ewiger Kampf?

Schwäbisch, Alemannisch oder Fränkisch

unser BW: Dann gibt es noch die Unterschiede bei den Dialekten, auch wenn dies Leute aus anderen Bundesländern manchmal kaum wahrnehmen. Schwaben schwätzen schwäbisch. Badener alemannisch und fränkisch. Und ihr?

Daniel: Bei mir ist es Alemannisch, Karlsruhe hat einen eigenen Singsang, ganz furchtbar …

unser BW: Soll ich das aufnehmen, stehst du da dazu? (alle lachen)

Daniel: Eine neue Front aufmachen …

unser BW: Ja, Südbaden gegen Nordbaden …

Ralph: Dann wirst du aus Karlsruhe noch vertrieben.

Daniel: Bei uns war es, wie gesagt, Alemannisch, wobei es vermischt sich ja immer. Je südlicher du Richtung Lörrach gekommen bist, kam das Schwyzerdütsch mit rein. Teilweise gab es auch bei uns, das fand ich ganz krass, Wörter wie „Huschtegutsele“

unser BW: Hustenbonbons? Bonbole?

Daniel: Ja. Bei Offenburg, das auch nur 50 oder 60 Kilometer entfernt liegt, sagten sie schon „Fierstei“ dazu (was wohl für Feuerstein steht, Anmerkung der Redaktion). Ich habe aber wenig Dialekt gesprochen und versuchte, mich normal zu artikulieren (lacht). Da gab es doch diesen Witz: „Bisch in Friburg gsi? Er meint gwä“.

unser BW: Ralph, fallen dir Unterschiede im Schwäbischen zwischen Ulm und Stuttgart auf?

Ralph: Das sind nur Nuancen. Ostalb-Schwäbisch, Ulmer oder Stuttgarter Schwäbisch – das sind eher einzelne Wörter und wie sie betont werden. Man kann alles verstehen.

unser BW: Wie lange hast du in Ulm gewohnt?

Ralph:  19 Jahre. Und in Ulm habe ich schwäbisch „gschwätzt“, das wurde jedoch später weniger, weil man um sich herum weniger Ulmer hatte.

Karlsruhe, die bessere Landeshauptstadt?

unser BW: Über 70 % der Leser:innen einer nicht repräsentativen Umfrage der KA-News meinen, Stuttgart könne einpacken und Karlsruhe würde sich besser als Regierungssitz Baden-Württembergs eignen. Was meint ihr? Wäre Karlsruhe die bessere Landeshauptstadt?

Ralph: Schwierige Frage. Also ich würde ja sagen, Ulm wäre die beste (lacht). Warum soll das besser sein? Ich bin jetzt nicht so begeistert von dem, was die Stuttgarter machen, aber ich wäre wahrscheinlich auch nicht so begeistert, was die Karlsruher machen. Ich finde, da muss sowieso mal wieder frischer Wind rein. Es müssten eher mal die Jungen ran, egal ob in Karlsruhe oder in Stuttgart.

Daniel: Karlsruhe hat schon genug Bürokratie, das muss jetzt nicht noch Landeshauptstadt sein. Wir haben den Bundesgerichtshof, wir haben das Bundesverfassungsgericht. Das reicht. Wir sind ohnehin schon so eine Beamtenstadt, da soll die Landesregierung ruhig in Stuttgart bleiben.

Streitfrage: Welche Fahne darf auf einem Landesgebäude wehen?

unser BW: Schwarz-gelb, statt gelb-rot-gelb: Ein Flaggenstreit erregte 2018 manches Gemüt in Karlsruhe. Ist es überhaupt wichtig, welche Fahne auf dem Karlsruher Schloss oder auf anderen Landesgebäuden weht? (auf Landesgebäuden dürfen nur Landes-, Bundes- oder Europafahnen wehen, Anmerkung der Redaktion)

Daniel: Ich fand die daraus entstandene Diskussion übertrieben, weil es um das Karlsruher Schloss mit dem Badischen Landesmuseum geht. Da kann auch die badische Flagge wehen, da empfinde ich eher die Verordnung lachhaft. Was viel spannender war, dass sie zu der Ausstellung „Revolution“ die rote Flagge gehisst hatten, und lange Zeit war die Europaflagge oben und unten Flaggen von Ländern, in denen Krieg herrscht. Ein starkes Statement.

Ralph: Kein Stuttgarter hätte etwas dagegen, wenn bei euch die badische Flagge auf dem Schloss weht.

Kooperation mit dem „Erzrivalen“

unser BW: Hast du schon einmal beruflich im „feindlichen Landesteil“ zu tun gehabt? Wenn ja, wo? Wie empfandest du die Zusammenarbeit?

Ralph: Oft. Ich habe in Pforzheim und in Karlsruhe Bauprojekte begleitet und betreue aktuell Projekte wiederum in Karlsruhe und in Weil am Rhein. Ich bin fast mehr in Baden unterwegs als in Württemberg. Und die Zusammenarbeit funktioniert immer gut.

unser BW: Arbeitest du dort mit Badenern zusammen?

Ralph: Zumindest habe ich in Karlsruhe damals die besten Spargelspitzen ever bekommen, die der Bauleiter aus Bruchsal mitgebracht hatte. Bei ihm wusste ich, dass es ein Badener war, aber ansonsten fragt man das ja auch nicht. Es ist eigentlich „wurscht“.

Daniel: Ich habe auch keine negativen Erfahrungen. Ich wüsste gar nicht, ob ich jemals bewusst mit Schwaben zu tun gehabt hätte. Obwohl, wir haben eine Schwäbin im Verein, mit der wir gut auskommen. Aber die verheimlicht das. Ich vergesse immer, dass sie Schwäbin ist, weil sie so …

Ralph: … nett ist? (alle lachen)

Daniel: Gell? Es hat sich noch keiner beschwert. Für das Protokoll: Es war alles ironisch.

Ende gut, alles gut

unser BW: Wohin führst du deine badischen/schwäbischen Freunde oder Verwandten, um deine Heimat im besten Licht darzustellen?

Daniel: In den Schwarzwald.

Ralph: Zum Wandern würde ich auf die Schwäbische Alb. Ich würde nach Ulm auf das Ulmer Münster und ins Fischerviertel, das wirklich super schön ist. Um die Landeshauptstadt zu erkunden, kann man den Blaustrümpflerweg machen.

Daniel: Ja, zum Wandern auf jeden Fall Schwarzwald. Ansonsten würde ich Karlsruhe und vielleicht Freiburg noch zeigen. 

Ralph: Genau. Die haben auch ein Münster, ist halt nicht ganz so hoch wie unseres … (alle lachen)

unser BW: Herzlichen Dank für das Interview. Ich stelle fest, dass Baden-Württemberger einfach großartige und humorvolle Leute sind. Lasst es mich mit den Worten von Marlies Blume im Kabarett Baden gegen Württemberg beenden, die zum Schluss meint, dass das doch alles „oins isch – Schwaben und Badener send wie Frankfurter und Wienerle – des isch Wurscht“.

Das Interview führte Evelyn Scheer.

Anmerkung:

Auch wenn es historisch nicht korrekt ist, setzen wir jetzt einmal der Einfachheit halber Württemberger und Schwaben gleich.

Wandertipps: 

Du möchtest dich auch auf den baden-württembergischen Grenzweg im Schwarzwald begeben? Mehr dazu gibt es bei Outdooractive

Daniels beste Touren, unter anderem auch eine Grenzweg-Wanderung, findest du auf der Website der Wanderpiraten.

Hinweis:
Die Werbung in diesem Beitrag für die Wanderung „Grenzweg“ und die Kniebishütte, die ich nenne und teilweise verlinke, erfolgt unbeauftragt und ohne Bezahlung.

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Belchensteig

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Wiedener Eck Tor am Westweg

Deutschlands schönster Wanderweg

 

Der Genießerpfad Belchensteig im Schwarzwald ist Deutschlands schönster Wanderweg 2020. Mit einem traumhaften Panoramablick von den Schweizer Alpen über die Rheinebene hinweg bis zu den Vogesen gilt der Belchen zurecht als der schönste Berg des Schwarzwalds. Zwar ist er wohl der schönste, nicht aber der höchste Berg im Schwarzwald. Mit seinen 1.414 Metern Höhe ist er nach Feldberg und Herzogenhorn der dritthöchste Berg im Schwarzwald.

Auf dem Weg zum Belchengipfel

Start der traumhaften Halbtagestour ist das Berghotel Wiedener Eck. Kurz darauf passieren wir das Westwegtor Wiedener Eck. Idyllisch, aber unspektakulär geht es langsam aber stetig bergauf auf einem Schotterweg, der in einen breiten Wiesenpfad übergeht. Schon jetzt eröffnet sich ein herrlicher Blick über das Wiedener Tal. Die taufeuchten Wiesen funkeln im morgendlichen Sonnenlicht. Purpurblütige Eriken säumen den Weg, ein paar Pferde auf einer Weide begutachten kauend die frühen Wandersleute. Wir tauchen in einen lichten Bergwald ein, Farne und Heidelbeeren zeigen sich am Wegesrand. In der Ferne plätschert leise das Wasser, woher es kommt, ist kaum zu orten.

Es locken immer wieder aussichtsreiche Rastplätze

Regenwurmgarten

Weilheim Peterskirche

Blick zum Hotel Belchen-Multen 

Schwarzwaldparadies

 

Immer wieder eröffnen sich entlang des Belchensteigs einzigartige Ausblicke und unglaubliche Fernsichten. Um diese noch intensiver genießen zu können, gibt es unzählige Sitz- und Rastgelegenheiten. Selten haben wir solch fantasievolle Bänke gesehen, die überall entlang des Weges zum Verweilen einladen. Mal flankieren geschnitzte Wanderstiefel die Sitzfläche, mal ein hölzerner Igel oder Rucksack. Wir sind noch nicht bereit für eine Rast und streben unverzagt dem Gipfel entgegen. Vorbei an einem Regenwurmgarten, einer toll gemachten Infostation für Kinder, zieht es uns immer weiter in Richtung der Talstation der Belchen Seilbahn. Wer nun schon ein wenig müde ist oder den Gipfel noch früher stürmen möchte, kann sich rund 300 Höhenmeter ersparen und die Belchen-Seilbahn nehmen. Wir lassen die knallgelben Kübele-Gondeln und das Belchenhotel Jägerstüble links liegen. Einmal tief durchatmen, es gilt, die nächsten Höhenmeter des Premiumwanderwegs zu bezwingen. Letzte Margeriten und Glockenblumen setzen hübsche Farbtupfer auf den Wiesen, Schmetterlinge nehmen ein Sonnenbad auf der warmen Erde des Pfades. Während wir noch den vorbeifliegenden Samenschirmchen hinterherblicken, hören wir in der Ferne schon das Geläut der Kuhglocken. Der Gasthof Belchen ist zum Greifen nah.

Belchen-Seilbahn

Nanu?

Immer dem Bollenhut folgen

Schwarzwaldkühe und Hotelromantik: Im Hintergrund das Belchenhaus

Belchenhaus und Belchengipfel

 

Der Gasthof Belchen, auch Belchenhaus genannt, liegt direkt bei der Bergstation der Belchenbahn. Er ist Baden-Württembergs höchstgelegener Gasthof. Bereits 1867 wurde er eröffnet. Eine willkommene Gelegenheit für eine kleine Stärkung. Die Aussicht ist der Wahnsinn und reicht bis ins Schweizer Jura. Wir sind auf der „Zielgeraden“, nur noch wenige Meter trennen uns vom Gipfel.  Geschafft! Wir sind oben auf der Granitkuppe angekommen. Umringt von einigen echten und ein paar „Schläpplewanderern“ steht, ein wenig unscheinbar, das Gipfelkreuz auf 1.414 Metern Höhe.

Neben dem Gipfelkreuz klärt das „Belchenvisier“ auf, was wir rundherum alles bewundern dürfen. Es hilft sehr, die umliegenden Berge und Orte exakt zu bestimmen. Von Münstertal und Staufen über die Oberrheinebene hinweg bis zu den Vogesen, zur Zugspitze und zum Mont Blanc, wenn einem das Wetter hold ist. Schon der Blick auf die umliegenden Schwarzwaldberge ist beeindruckend. Gut zu erkennen ist der höchste Berg des Schwarzwalds, der 1.493 Meter hohe Feldberg.

Für den deutschen Schriftsteller und Pionier der alemannischen Mundartliteratur, Johann Peter Hebel, war der schönste Schwarzwaldberg gar „die erste Station von der Erde zum Himmel“.

Weilheim Peterskirche

Geschafft! Der Gipfel ist erreicht

Bermudadreieck der Berge

Wir schlendern ein wenig auf der markanten, baumfreien Bergkuppe umher. Übrigens: Dies ist nicht der einzige Belchen in der Gegend. Weitere Belchen sind in Sichtweite. Gemeinsam mit dem Elsässer Belchen oder Ballon d’Alsace und dem Schweizer Belchen bildet der Schwarzwälder Belchen das sogenannte Belchendreieck. Damit nicht genug. In den Vogesen, bei gutem Wetter ebenfalls zu sehen, liegen noch der Große und der Kleine Belchen, Grand bzw. Petit Ballon, die zusammen mit den drei erstgenannten Belchen zum sogenannten Belchen-System gehören. Wir könnten stundenlang weiter in die Nähe und in die Ferne schauen und das 360-Grad-Panorama einsaugen. Doch der Wind weht heftig und kalt, und wir müssen an den Abstieg denken.

Weilheim Peterskirche

Abgang in Richtung Krinne

Immer dem Bollenhut folgen

Schwarzwaldkühe und Hotelromantik: Im Hintergrund das Belchenhaus

Hinab auf alpinem Bergpfad

 

Kurz noch die fantastische Vegetation bewundern, dann geht es steil bergab auf einem alpinen Bergpfad, den Krinneabgang. Spätestens jetzt sind Trittsicherheit und geeignetes Schuhwerk wichtig. In schmalen Serpentinen schlängelt sich der Weg hinunter zur Krinne. Mein Handy ist verwirrt und heißt mich in Frankreich willkommen. Erneut geht es etwas bergauf. Geröll knirscht unter unseren Wanderstiefeln. Der Wind frischt auf und lässt die Zweige der Bäume zischend auf und ab tanzen. Unser Blick fällt zurück zum Belchen, der nackte, baumlose Gipfel ist gesäumt von einigen Fichten, die aus der Ferne wie ein kleiner Pelz wirken.

Fast abrupt endet der Wald, der Blick schweift weit ins Tal. Kugelige Laubbäume und kegelförmige Nadelbäume prägen das Bild der Märklin Mini-Landschaft. Um das Schwarzwaldklischee zu perfektionieren, kringelt ein Milchlaster die kurvigen Bergstraßen hinunter. Garantiert gefüllt mit Milch von glücklichen Kühen. Und wir freuen uns schon auf ein großes Stück Schwarzwälder Kirschtorte!

Der Tour in Zahlen

  • Länge 15 km
  • 675 Höhenmeter
  • Dauer: etwa 5 Stunden plus Zeit zum Genießen und Staunen ?
  • Die Tour und die GPS-Datei zum Herunterladen findest du hier.
Limburg Weilheim Teck Baden Württemberg Schwäbische Alb

Berghotel Wiedener Eck

Hotel-Tipp

Berghotel Wiedener Eck

 

Wir waren im Berghotel Wiedener Eck, das wir aus voller Überzeugung empfehlen können. Schöne Zimmer, freundlicher Service, hervorragendes Essen, gute Weine und faire Preise. Und dazu noch direkt am Ausgangspunkt unserer Wanderung. Ganz ehrlich, was will man mehr?

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Umweltschutz Schwarzwald Sabine Hötzel

Umweltschutz Schwarzwald Sabine Hötzel

Mittendrin in unserem BW:

Umweltschutz im Schwarzwald: Interview mit Sabine Hötzel

Sabine Hötzel mit Plastikplane
Sabine Hötzel: Naturelover und Forestclenaer im Nordschwarzwald

„Gemeinsam machen wir die Welt zu einem besseren Ort“

Naturliebhaberin, Umweltschützerin, Waldreinigerin und Instagrammerin: Die Baden-Badenerin Sabine Hötzel ist ein Vorbild. Bei ihren Wanderungen ist sie stets bewaffnet mit einem blauen oder roten Eimer. Es gibt so gut wie keine Tour, von der sie mit leeren Händen oder eben leeren Eimern zurückkommt. Sie sammelt den Müll ein, den andere Menschen inmitten einer traumhaften Landschaft hinterlassen haben. Den Müll in der Natur bezeichnet sie als „invasive Arten“, die umgesiedelt werden müssen. Und zwar dorthin, wo sie hingehören: in die Mülltonne!

Auf Instagram postet Sabine ihre Müllabenteuer. Zuerst ein stimmungsvolles Naturbild, wie es die meisten Instagrammer mögen, und dann die Keule: Müll, überall Müll! Tüten, Babywindeln, Plastik- und Glasflaschen, ein Autoreifen mitten im Nirgendwo, Corona-Masken ohne Ende und sogar eine Dose Bügelspray aus den 50er Jahren. Die Bilder sind oft erschreckend: Ein idyllischer Weiher, in dem eine Unke sitzt, in direkter Nachbarschaft zu einer Plastikflasche. Oder eine meterlange XXL-Plastikplane, die sie nur mit Mühe aus dem Erdreich herausziehen konnte.

Sabines 10 Müllsünder-Thesen

„Warum wirfst du deinen Müll in diesen wunderschönen Wald?“, fragt Sabine ihre Follower. In ihrem Instagram-Post stellt sie zehn Thesen auf:  

  1. Weil ich ein ignoranter und verwöhnter Depp bin?
  2. Weil mir die Umwelt völlig egal ist?
  3. Weil mir Mutti sonst auch immer alles hinterherräumt?
  4. Weil ich zu faul und schwach bin, das Bonbonpapier bis zum nächsten Mülleimer zu schleppen?
  5. Weil ich Freude daran habe, Tiere zu quälen?
  6. Weil ich meinen Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Enkeln auch noch was hinterlassen möchte (nebst einem IQ von 13)?
  7. Weil mir mein Fischfilet mit Mikroplastik besser schmeckt?
  8. Weil ich es für ein Gerücht halte, dass Müll wie Plastik, Glas und Alufolie sich nicht innerhalb einer Stunde von selbst auflöst?
  9. Weil ich volle Windeln, halbleere, vergammelte Dosen und versiffte Masken im Wald hübsch anzusehen finde?
  10. Weil alles auf mich zutrifft!

Sabine hat Humor. Mit einem Augenzwinkern will sie Menschen aufrütteln und für das Thema sensibilisieren.

„Bitte benehmt euch wie Tiere“, rät sie auf Instagram. Denn Tiere hinterlassen keinen Müll. Menschen schon. „WalkIn, TrashOut“ ist ihr Motto. Sie hofft, so viele Menschen wie möglich zu gewinnen, ihrem Beispiel zu folgen.

Umweltschutz mit Sabine Hötzel
"Invasive Arten verbreiten sich immer mehr"

unser BW: Ich bewundere Deinen Einsatz sehr. Meine Familie und ich würden niemals Müll liegenlassen. Das Einzige, was wir hinterlassen, sind unsere Fußabdrücke. Es ist wohl für die meisten Leute selbstverständlich, ihr Zeug wieder einzupacken. Leider gilt das nicht für alle. Wenn Du unterwegs bist, sammelst Du die Hinterlassenschaften anderer ein. Was treibt Dich an, Dich so zu engagieren?

Sabine:

  1. Weil die Archäologen in einer Million Jahre auf keine Hinterlassenschaften wie Glasflaschen und Co. stoßen sollen.
  2. Weil mir mein Fischfilet ohne Mikroplastik besser schmeckt.
  3. Ach ja, und weil ich natürlich ein Vorbild für meine Kinder sein möchte. Ein verantwortungsvoller Umgang mit unserer Umwelt und den Ressourcen kann nicht früh genug gelernt werden.

unser BW: Gab es einen Impuls, der den Kickoff für Deinen Einsatz darstellte? Oder ein Schlüsselerlebnis?

Sabine: Als ich unter einem Baumstumpf eine XXL-Plane (zehn mal fünf Meter!) herausgezogen habe. Die war komplett mit der Wurzel verwachsen. Oberhalb der Erde hat man nur ein paar Zentimeter Plastik erkennen können.

unser BW: Du liebst die Natur, schützt und achtest sie. Es muss doch unglaublich frustrierend sein, wie Umweltverschmutzer mit ihr umgehen?

Sabine: Hierzu fällt mir ein Zitat von Edward Everett Hale ein: „Ich kann nicht alles tun, aber ich kann etwas tun. Und weil ich nicht alles tun kann, soll ich mich nicht weigern, das zu tun, was ich kann.“

unser BW: Fällt es Dir bei dem ganzen herumliegenden Abfall, den Du entdeckst, nicht manchmal schwer, überhaupt noch die Schönheiten der Natur zu sehen?

Sabine: Autoreifen im Flussbett, Plastikplanen im Erdreich, Flaschen auf dem Waldboden … all diese invasiven Arten haben sich über Jahrzehnte häufig so perfekt an ihre Umwelt angepasst, dass sie kaum zu entdecken sind. Verborgen und gut getarnt wie sie sind, fällt es daher überhaupt nicht schwer, die Schönheiten der Natur zu sehen.

unser BW: Wie reagieren die Leute, die Dir unterwegs begegnen und Dich in Aktion sehen?

Sabine: Von Anerkennung, Lob und Verachtung ist alles dabei. Bezüglich letzterem: Die steigende Vermüllung wird durch die zunehmende Kälte einiger Menschen wieder ausgeglichen.

Umweltschutz mit Sabine Hötzel
Glasflaschen: Darüber stolpern eure Nachfahren noch in einer Million Jahren

unser BW: Was war bisher Dein kuriosester Fund unter allen invasiven Arten?

Sabine: Eine halbvolle Dose „Bügelfrei“ aus den 50er Jahren in tadellosem Zustand. Ich Glückspilz aber auch. Nun endlich wird meine Wäsche im Nu faltenfrei, und ich kann mich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben konzentrieren.

unser BW: Im April 2021 hast Du begonnen, auf Instagram Deine Funde zu präsentieren, heute folgen Dir über 8.000 Leute. Tendenz rasch steigend. Überrascht Dich der Erfolg?

Sabine: Ja klar. Wer rechnet schon damit, dass die Leute Müllbilder liken und sich über meine Funde freuen?

unser BW: Wer begleitet Dich auf Deinen Wanderungen?

Sabine: Mein Eimerle – der verliebt sich alle fünf Minuten in eure Hinterlassenschaften.

Unser BW: Sonst noch jemand? Machen Dein Mann und Deine Kinder auch mit und unterstützen Dich? Haben sie Verständnis?

Sabine: Natürlich sind auch meine Kinder und mein Mann mit dabei. Wir lieben alle Müll. Wir sind sowas wie die Olchi-Family.

unser BW: Du klärst Deine Follower auf Instagram auch sehr kompetent über die Müll-Problematik auf. Dass Müll Wildtiere gefährdet, über Plastik in den Ozeanen und die „Lebenserwartung der invasiven Arten“. Wie hast Du Dir dieses Wissen angeeignet?

Sabine: Dank Google ist dieses Wissen nur einen Klick entfernt. Abgesehen davon gibt es ganz tolle Infoseiten vom World Cleanup Day!

unser BW: Du kommst aus Gießen in Hessen. Was hat Dich nach Baden-Baden verschlagen?

Sabine: Die Liebe zum Schwarzwald.

unser BW: Was bedeutet Heimat für Dich?

Sabine: Heimat ist da, wo meine Familie ist.

unser BW: An welche Stellen in Baden-Baden führst Du Deine auswärtigen Gäste besonders gerne?

Sabine (lacht): Wenn ich das hier verraten würde, wären es ganz sicher nicht mehr meine Lieblingsstellen. Ansonsten sind der Battertfelsen, die Geroldsauer Wasserfälle und der Merkur sehr zu empfehlen.

unser BW: In welchem Restaurant oder Café könnte man Dich hier treffen?

Sabine (lacht): Man trifft mich eher im Wald, als im Café.

unser BW: Du gehst gerne im Nordschwarzwald wandern. Wohin zieht es Dich am liebsten?

Sabine: Entlang der Schwarzwaldhochstraße und im Murgtal finden sich tolle Wanderwege.

unser BW: Welche sind Deine Lieblings-Spezialitäten aus Baden-Württemberg?

Sabine: Eindeutig Käsespätzle.

unser BW: Typisch ist für Dich …?

Sabine: Ich bin für jeden Müll … ähm … Spaß zu haben.

unser BW: Gibt es etwas, das Du den Leserinnen und Lesern mitgeben möchtest?

Sabine: Einen Eimer. Möge der Müll mit euch sein!

unser BW: Herzlichen Dank für das interessante Interview! Ich wünsche Dir und uns allen, dass Du jetzt und in Zukunft viele Menschen zum Mitmachen inspirieren kannst.

Mehr über Sabine Hötzels Umweltinitiative gibt es auf Instagram: @sabine.hoetzel

Albtal-Abenteuer-Track

Albtal-Abenteuer-Track

Bad Herrenalb: Albtal-Abenteuer-Track Etappe 1

Der Weg ist das Ziel bei Deutschlands erster Crosswander-Tour

Was bedeutet Abenteuer für Dich?

Manche Menschen zieht es wie magisch an: das Abenteuer – es klingt herausfordernd, spannend, nach einem kleinen Kick. Ein Abenteuer ist etwas Unbekanntes, das man bestehen muss. Mit anderen Worten, raus aus dem Alltag, auf zu neuen Ufern. Oder in diesem Fall, rein in den Schwarzwald. Auf dem Albtal-Abenteuer-Track bei Bad Herrenalb im Nordschwarzwald kann man seine wilde, ursprüngliche Seite entdecken.

Schon bald lassen wir Bad Herrenalb hinter uns
... und es geht querfeldein durch den Wald

Abenteuer wilde Natur

Eintauchen in echte Natur, auch mal abseits der Wege unterwegs sein, alle Sinne einsetzen. Und ganz ehrlich, wer möchte sich denn nicht mal wie ein Pionier fühlen, der geheimnisvollen Zeichen folgt und neue Wege erkundet? Okay, natürlich entdecken wir auf dem Abenteuerweg nichts, wo nicht schon der ein oder andere vor uns war. Aber stellenweise haben wir genau dieses Gefühl. 

Deutschlands erste Crosswander-Tour ist definitiv ein Mikro-Abenteuer für alle, die mehr wollen als einfach „nur“ wandern. Wandern an sich ist ja schon großartig, aber der herausfordernde Charakter ist, wie wir hier sagen, das Tüpfele aufs i. 

Eine Challenge sind schon die „Gardemaße“ der Strecke: 25 Kilometer Länge, über 1.000 Höhenmeter, etwa acht Stunden reine Gehzeit. Ja, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Knackig aber machbar.

Über Stock, Steine und einen Bach: Geht es noch idyllischer?
Bachüberquerung - die Stiefel sind dicht
Wie Phönix aus der Asche

Das Abenteuer beginnt

… und dann ist da noch die Art der Wege. Bad Herrenalb ist für viele eher ein Synonym für gute, einfache Wege. Die lassen wir auf der Etappe 1 des Albtal-Abenteuer-Tracks eher links liegen. Am schönsten sind natürlich die Crosswegpassagen, die wir neben alten Forstschneisen und Holzrückerouten nutzen. Es sind auch ein paar gute Schotterwege dabei, die wir aber dankbar annehmen, um hin und wieder verschnaufen zu können.

Direkt in Bad Herrenalb startet das Abenteuer. Unseres beginnt auf dem Wanderparkplatz „Am Wurstberg 34“ neben dem Friedhof. Gespannt auf den vor uns liegenden Tag schnüren wir unsere Wanderstiefel (die übrigens dringend zu empfehlen sind) und schultern den Rucksack, der neben ausreichend Wasser leckeren Proviant und die Kameraausrüstung enthält. All das werden wir noch sehr zu schätzen wissen.

Besser als Geocaching: Wir haben eine Markierung entdeckt
Drei stilisierte Nadelbäume, der mittlere der Buchstabe A, weisen den Weg
Manchmal war die Wegmarkierung gut auf einem Schild zu sehen ...
... oder man brauchte fast schon Adleraugen, um die Baumgraffiti zu entdecken
Der Kreativität bei der Beschilderung sind keine Grenzen gesetzt

Baumgraffiti weisen den Weg – oder auch nicht

Vorfreude ist die schönste Freude, sagen wir uns, als wir am Waldrand ankommen und uns erst einmal eine geschotterte Forststraße emporkämpfen müssen. Knieschnapperweg ist der wenig ansprechende Name dieses Abschnitts. Ernsthaft? Jetzt schon? Nein, so anstrengend ist es wirklich noch nicht. Nun heißt es Augen offenhalten, um eines der Wegzeichen zu erspähen: Drei stilisierte Nadelbäume, also passend für den Schwarzwald, wovon der mittlere der Buchstabe A ist. Mal ist die Markierung nur schemenhaft zu erkennen, als blasses Baumgraffiti, mal als Aufkleber auf einem Schild. Aber nur selten auf den ersten Blick und gut sichtbar. Dazu noch sehr weit auseinander, das ist ja der Kick für den Entdecker.

Übrigens war dies auch ein Grund, Urlaub zu nehmen und die Tour auf einen Werktag zu legen. Der Gedanke, an einem Wochenende den anderen Lemmingen zu folgen und dadurch schon hunderte Meter im Voraus zu wissen, wo der Weg langgeht, schien uns wenig reizvoll. Schnell stellt sich heraus, dass dies die richtige Entscheidung war. Wir sind fast alleine, nur auf den gut ausgebauten Wegen treffen wir auf andere Wanderer.   

Über Stock und über Stein und auch mal durch den Matsch

Schon bald zweigt der Weg nach rechts ab. Drauf haben wir gewartet. Nun geht es steil bergauf und querfeldein. Über Baumstämme und Felsen schlagen wir uns durchs Unterholz. Vorbei an Fichten und Tannen, das ist Schwarzwald pur. Büsche versperren uns den Weg, wir biegen Zweige zur Seite, quetschen uns hindurch. Trittsicherheit ist nun wichtig, der weiche Waldboden ist nun voller abgebrochener Äste und Steine, die es zu überwinden gilt. 

Wo geht es nun lang? Keine Markierung in Sicht. Sieht man Spuren? Nein. Also entscheiden wir uns und laufen drauflos. Und freuen uns dann doch, als wir zur Bestätigung unserer Entscheidung nach einigen Metern wieder ein Baumgraffiti entdecken.

Einer der spannendsten Stellen des Tracks ist die Kletterpassage mit Spezialtau. Gesichert mit einem Seil, müssen hier dicke Buntsandsteinbrocken erklommen werden. Zwecks Abenteuerfaktor (und ein paar lustiger Fotos wegen) nutzen wir die dicken Taue. Mit etwas Wandererfahrung und Trittsicherheit genügt es aber auch, lediglich die Hände zur Hilfe zu nehmen. Aber spektakulär sieht es aus, das muss man den Machern lassen, und vielen ist es sicher eine Hilfe. 😉

Hummelglück
Über Buntsandsteinfelsen kraxeln
Wo geht es lang?
Kletterpassage mit Spezialtau

Mythos Westweg

Ein Stück weit folgen wir nun dem Klassiker der Fernwanderwege im Schwarzwald, dem Westweg. Er wurde schon 1900 vom Schwarzwaldverein angelegt und zählt zu den „Top Trails of Germany“. Er beginnt in Pforzheim und endet in Basel. Wir jedoch bleiben auf dem Albtal-Abenteuer-Track. An dieser Stelle geht es schnell voran, die Waden können sich wieder etwas entspannen. Schön wäre es jetzt, auf einer der komfortablen Aussichtsliegen am Hahnenfalzweg Platz zu nehmen und den beeindruckenden Ausblick zu genießen. Es soll nicht sein, alles ist belegt. 

Nach einer kurzen Beobachtung der dicken Hummeln und einiger Zitronenfalter, die sich an den Frühblühern laben, geht es zügig weiter zur Schweizerkopfhütte. Unfassbar schön ist die Aussicht über das Gaistal weit in die Rheinebene hinein. Mit ein klein wenig Stolz betrachten wir von hier oben auch unseren Startort Bad Herrenalb. Ein ganzes Stück ist schon geschafft. 

Blick von der Schweizerkopfhütte weit über die Rheinebene

Nun verspüren wir ein klein wenig Hunger. Einen hübschen Picknickplatz finden wir bei der Hahnenfalzhütte. Bei der traumhaften Aussicht schmeckt das Vesper doppelt so gut.
Wer nicht den kompletten Track bewältigen will, findet hier die Familien-Variante der Etappe 1: Gleich bei der Hahnenfalzhütte geht es direkt hinunter ins Gaistal und von dort aus mit dem Bus zurück nach Bad Herrenalb. 

Hahnenfalzhütte der Skizunft Bad Herrenberg
Pause mit Traumaussicht vor der Hütte

Sprudelnde Quelle und teuflische Mühle

Für uns geht es bergab zum Albursprung, der in etwa 760 Metern Höhe idyllisch umrahmt von üppigem Grün vor sich hin sprudelt. Von hier aus nimmt die Alb ihren 51 Kilometer langen Weg durch den Nordschwarzwald und die mittlere Oberrheinische Tiefebene bis sie in Karlsruhe in den Rhein mündet. Weiter geht es hinab durch ein süßes Wäldchen mit Zwergbirken bis unter 700 Meter, bevor der Aufstieg zum höchsten Punkt des Tracks führt, nämlich 913 Meter. Auch wenn sich hier erneut ein hübscher Ausblick bietet, zieht es uns doch gleich weiter zur Teufelsmühle. Der Weg ist noch weit. Nicht zu übersehen sind die Grenzsteine entlang des alten Grenzwegs zwischen dem Großherzogtum Baden und dem Königreich Württemberg.

Wir erreichen die Teufelsmühle in Loffenau. Wer hier nach einer Mühle sucht, wird sie nicht finden. Der Ort verdankt seinen Namen einer Sage, nach der die unterhalb des heutigen Baus wild verteilten Sandsteinblöcke die Reste einer vom Teufel errichteten Mühle sein sollen. Die Teufelsmühle und der massive Aussichtsturm sind ein beliebtes Ausflugsziel. Kein Wunder, reicht doch die Aussicht über das Murgtal und in die Rheinebene. Außerdem ist hier der Drachenfliegerstartplatz angesiedelt. Übrigens ist die Gegend rund um die Mühle auch ein idealer Ort zum Heidelbeerenpflücken oder Pilzesammeln.

Leise sprudelt der Albursprung
Teufelsmühle des Schwarzwaldvereins
Traumaussicht von der Teufelsmühle ...
... von der man kaum genug bekommen kann

Jetzt geht es fast nur noch abwärts – auf den Spuren des Teufels

Der Track hat viele Highlights, keine Frage. Das für uns spektakulärste ist die Waldschlucht „Großes Loch“ und die faszinierenden Sandsteinhöhlen, die sogenannten Teufelskammern. Wie um die Teufelsmühle ranken sich um die Teufelskammern spannende Sagen. Hier soll einst der Teufel persönlich gehaust haben, auch das Erdweiblein, das aus Stroh Gold zaubern konnte, wurde hier gesichtet. Ob man den Geschichten Glauben schenken mag, bleibt jedem selbst überlassen. 

Unbestrittene Tatsache ist jedoch, welch faszinierende Landschaften und steinerne Skulpturen die Natur im Laufe der Erdgeschichte erschuf. Das „Große Loch“ entstand durch die stete Arbeit des Laufbaches vor über 200 Millionen Jahren in der Buntsandsteinzeit. „Das Gestein der Teufelskammern besteht aus einem geröllreichen Sandstein mit unterschiedlicher Festigkeit. Die Sandsteinpfeiler und das Dach der Teufelskammern trotzen Dank ihres härteren Gesteins bis heute der Abtragung. Weichere Gesteinsschichten wurden durch die Erosion herausgenagt und weggespült. So entstanden die steinernen Kammern oder Teufelslöcher“, ist in einem Infokasten zu lesen.

Spektakuläre Naturskulptur: die Teufelskammern
Waldschlucht „Großes Loch“
Im Inneren der Teufelskammern

Um noch ein wenig länger den unfassbar schönen Blick auf die Felsenlandschaft zu genießen, halten wir uns auf dem Weg ins Tal unterhalb der Teufelskammern rechts entlang der „Großen Loffenauer Runde“. Immer wieder halten wir inne, drehen uns um und lassen die abenteuerliche Szenerie auf uns wirken. In der Waldschlucht liegen Bäume wie Mikadostäbe kreuz und quer in einem Bett aus saftiggrünen Gräsern. Mächtige Felsen säumen den Weg.

Entlang der noch jungen Alb wandern wir zum Ausgangspunkt zurück, nicht über den beschriebenen Heuweg sondern über den Albtalweg entlang des „QuellenErlebnisPfades“ (vorbei am Aussichtspunkt „Hör mal“).

Entlang der jungen Alb zurück zum Parkplatz

Eine absolut herausfordernde und abwechslungsreiche Tour voller Highlights, die zurecht zu „Deutschlands schönstem Wanderweg“ des Jahres 2021 vom Wandermagazin nominiert ist.

Der Track in Zahlen

Länge: 25 Kilometer
Bergwertung: 1.000 Höhenmeter
Dauer: etwa 8 Stunden plus Zeit zum Genießen und Staunen

Die Tour und die GPX-Datei zum Herunterladen findet ihr bei Albtal-Tourismus
und bei Outdooractive.

Tipps:

  • Auch wenn es vielleicht ein wenig auf Kosten des Abenteuerfaktors geht, empfehlen wir zur Vorsicht, den GPX-Track vor Beginn der Tour herunterzuladen (teilweise wurden auch Markierungen mutwillig entfernt)
  • Ausreichend Getränke und Verpflegung mitnehmen (während unserer Tour gab es auf der Strecke nichts zu kaufen)
  • Festes Schuhwerk und eine gute Kondition machen es ein bissle leichter 😉