Hochgehswiggert bei Münsingen

Hochgehswiggert bei Münsingen

Hochgehswiggert: Zwei Burgen und Dutzende Schmetterlinge im Großen Lautertal

Von fast unwirklicher Schönheit: das Große Lautertal

Schon mal ge(h)swiggert?

Nein? Dann auf ins „Große Lautertal“ bei Münsingen. Hier kann man bei einer recht gemütlichen Wanderung zu zwei Burgen und wunderschönen Aussichtspunkten swiggern. Die Tour „hochgehswiggert“ ist eine von über 20 zertifizierten Prädikatswanderwegen in und um das Biosphärengebiet Schwäbische Alb. 

Ach so, wie die Broschüre der „Hochgehberge“ verrät, ist Swigger kein neues Jugendwort, sondern der (wie ich finde, sehr coole und revivalfähige ) Vorname des IV. Herrschers von Gundelfingen aus dem 12. Jahrhundert. Und auf dessen Spuren sind wir bei der Tour unterwegs.

So muss es im Paradies aussehen ...

Idylle am Mittelgebirgsfluss

Start der Rundtour ist der Wanderparkplatz Heiligental bei der gleichnamigen Liegewiese. Wer sich für den späteren Aufstieg gleich vorab stärken möchte oder noch einen kleinen Motivationsschub braucht, kann sich hier an der Grillstelle gleich die Rote oder das Stockbrot zubereiten.

Auch wenn der Platz zum Verweilen einlädt: Weiter geht es, und zwar sehr idyllisch entlang der Großen Lauter, die sich durch das Tal schlängelt. Und schon muss die Kamera raus aus dem Rucksack, der Blick auf die Kulisse von Niedergundelfingen ist einfach zu schön, um ihn nicht festzuhalten.

Fachwerk-Schönheiten in Niedergundelfingen

Einkehr hinter dicken Mauern

Eine „Einkehr hinter dicken Mauern“ verspricht die Burg Derneck auf 655 Meter über dem Meeresspiegel, die wir als nächstes erstürmen. Nicht zu übersehen ist, dass die Burg Eigentum des Schwäbischen Albvereins ist: Zwei große Logofahnen vor der Burg bilden einen bunten Kontrast zum historischen Ambiente. Degenhard von Gundelfingen ließ die Burg, die damals noch Burg Degeneck hieß, um 1350 errichten. Von der spätmittelalterlichen Anlage sind noch Teile der Schildmauer und des Turms erhalten. In der heutigen Zeit kamen Gastronomie und ein Wanderheim hinzu. Unterhalb der Burg gibt es schon die nächste Grillmöglichkeit und einen Spielplatz.

Burg Derneck Lautertal Baden Württemberg
Ein Ritter aus Esche wacht über die Burg Derneck
Der Schwäbische Albverein hat Einzug gehalten
"An dieser Stätte muss keine Kehle verdorren"

Ein majestätischer Blick

Vorbei ein artenreichen Blumenwiesen, in denen unzählige Insekten flattern, summen und brummen und durch einen lichten Buchenwald, geht es noch ein paar Höhenmeter nach oben zum Aussichtspunkt Lautertalblick. Ein aus einem Baum herausgearbeiteter Holzthron mit Krönchen lädt ein zu einer majestätischen Rast mit überwältigendem Blick auf die unten im Tal wild mäandernde Große Lauter.  

"Euer Majestät, eine schöne Aussicht gefällig?"

Das muss man selbst gesehen haben ...

Der erste Eindruck der Burg Hohengundelfingen ist das Bossenquader-Mauerwerk des Bergfriedes und eine vor der Burganlage errichtete ganz und gar nicht mittelalterliche Gabionenmauer.  Nun sind die anfangs erwähnten Spuren der Herrscher von damals eindeutig sichtbar: Erbaut hatten die Burg die Edlen von Gundelfingen im 11. Jahrhundert.

Sofort in den Bann gezogen werden wir jedoch von dem Blick über das Große Lautertal. Grün in allen Schattierungen vor tiefblauem Himmel mit malerischen Magritte-Wölkchen. Erst auf den zweiten Blick machen wir die Einzelheiten des umwerfenden Panoramas aus und nehmen auch den Umlaufberg der Großen Lauter, auf dessen Gipfel die Ruine Niedergundelfingen thront, und die hübschen Häuser der Gemeinde Gundelfingen im Tal bewusst wahr.

Langsam aber stetig erobert sich die Natur ihren Platz inmitten der Burganlage zurück. Efeu umrankt die Mauer, ein Baum scheint direkt aus dem steinernen Boden emporzuwachsen, Ehrenpreis mit seinen zarten violetten Blüten hat es sich in den Fugen der mächtigen Mauerquader gemütlich gemacht.

Stairway to Heaven
Das Tor ins Grüne
Blick von Burg Hohengundelfingen auf den Umlaufberg der Großen Lauter mit der Ruine Niedergundelfingen
Aussicht ins Große Lautertal
Zarte Eroberer der mächtigen Mauerquader

Unfassbare Schönheit der Natur

Eben die Natur ist es auch, die die Wanderung für mich zu einem besonderen Erlebnis auf der Schwäbischen Alb macht. Der Weg, der inmitten des UNESCO Biosphärenreservats Schwäbische Alb liegt, ist neben der vom Menschen geschaffenen Werke voller kleiner Wunder.

In den unterschiedlichsten Lebensräumen offenbart sich die unfassbare Schönheit der Natur. Entlang des Flusses Große Lauter, vorbei an sogenannten „Mageren Flachland-Mähwiesen“ und imposanten Kalkfelsen und durch sattgrünen Buchenwald führt die Wanderung.

Vielleicht merkt man es – der unerschöpfliche Reichtum der Flora und Fauna ist das, was mich flasht und vollkommen fasziniert. Es sind die blauen Prachtlibellen am Flussufer, die wie funkelnde Saphire umherflattern. Es sind die Sommervögel, wie man bis zum Mittelalter die Schmetterlinge nannte. In diesem Paradies tummeln sich viele Arten von Schachbrett über Kleiner Fuchs und sogar der extrem seltene, vom Aussterben bedrohte, Blauschwarze Eisvogel … Na, am besten seht ihr es euch selbst an.

Blauschwarzer Eisvogel
Vom Aussterben bedroht: Blauschwarzer Eisvogel
Der Perlmutterfalter mag Waldränder
Blütenreiche Magerwiesen: ideal für das Schachbrett
Besucher des Wanderschuhs: Gefleckter Schmalbock
Die Schönheit liegt am Wegesrand

Der Tour in Zahlen:

Länge 6,2 km
211 Höhenmeter
Dauer: etwa 2 Stunden reine Wanderzeit plus viel Zeit zum Genießen und Staunen 

Die Tourbeschreibung findet ihr auf Outdooractive.

Tipps:

  • Wem die kleine Wanderung zu kurz ist (wie uns) kann diese Tour prima mit der Tour „hochgehbürzelt“ verbinden.
  • Grillsachen einpacken! Entlang des Weges gibt es verlockende Möglichkeiten für eine eigene Grillsession.
  • Schmetterling-Fans aufgepasst: Hier ist ein perfekter Ort, die Sommer-Schönheiten zu bewundern und zu fotografieren.
Albtal-Abenteuer-Track

Albtal-Abenteuer-Track

Bad Herrenalb: Albtal-Abenteuer-Track Etappe 1

Der Weg ist das Ziel bei Deutschlands erster Crosswander-Tour

Was bedeutet Abenteuer für Dich?

Manche Menschen zieht es wie magisch an: das Abenteuer – es klingt herausfordernd, spannend, nach einem kleinen Kick. Ein Abenteuer ist etwas Unbekanntes, das man bestehen muss. Mit anderen Worten, raus aus dem Alltag, auf zu neuen Ufern. Oder in diesem Fall, rein in den Schwarzwald. Auf dem Albtal-Abenteuer-Track bei Bad Herrenalb im Nordschwarzwald kann man seine wilde, ursprüngliche Seite entdecken.

Schon bald lassen wir Bad Herrenalb hinter uns
... und es geht querfeldein durch den Wald

Abenteuer wilde Natur

Eintauchen in echte Natur, auch mal abseits der Wege unterwegs sein, alle Sinne einsetzen. Und ganz ehrlich, wer möchte sich denn nicht mal wie ein Pionier fühlen, der geheimnisvollen Zeichen folgt und neue Wege erkundet? Okay, natürlich entdecken wir auf dem Abenteuerweg nichts, wo nicht schon der ein oder andere vor uns war. Aber stellenweise haben wir genau dieses Gefühl. 

Deutschlands erste Crosswander-Tour ist definitiv ein Mikro-Abenteuer für alle, die mehr wollen als einfach „nur“ wandern. Wandern an sich ist ja schon großartig, aber der herausfordernde Charakter ist, wie wir hier sagen, das Tüpfele aufs i. 

Eine Challenge sind schon die „Gardemaße“ der Strecke: 25 Kilometer Länge, über 1.000 Höhenmeter, etwa acht Stunden reine Gehzeit. Ja, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Knackig aber machbar.

Über Stock, Steine und einen Bach: Geht es noch idyllischer?
Bachüberquerung - die Stiefel sind dicht
Wie Phönix aus der Asche

Das Abenteuer beginnt

… und dann ist da noch die Art der Wege. Bad Herrenalb ist für viele eher ein Synonym für gute, einfache Wege. Die lassen wir auf der Etappe 1 des Albtal-Abenteuer-Tracks eher links liegen. Am schönsten sind natürlich die Crosswegpassagen, die wir neben alten Forstschneisen und Holzrückerouten nutzen. Es sind auch ein paar gute Schotterwege dabei, die wir aber dankbar annehmen, um hin und wieder verschnaufen zu können.

Direkt in Bad Herrenalb startet das Abenteuer. Unseres beginnt auf dem Wanderparkplatz „Am Wurstberg 34“ neben dem Friedhof. Gespannt auf den vor uns liegenden Tag schnüren wir unsere Wanderstiefel (die übrigens dringend zu empfehlen sind) und schultern den Rucksack, der neben ausreichend Wasser leckeren Proviant und die Kameraausrüstung enthält. All das werden wir noch sehr zu schätzen wissen.

Besser als Geocaching: Wir haben eine Markierung entdeckt
Drei stilisierte Nadelbäume, der mittlere der Buchstabe A, weisen den Weg
Manchmal war die Wegmarkierung gut auf einem Schild zu sehen ...
... oder man brauchte fast schon Adleraugen, um die Baumgraffiti zu entdecken
Der Kreativität bei der Beschilderung sind keine Grenzen gesetzt

Baumgraffiti weisen den Weg – oder auch nicht

Vorfreude ist die schönste Freude, sagen wir uns, als wir am Waldrand ankommen und uns erst einmal eine geschotterte Forststraße emporkämpfen müssen. Knieschnapperweg ist der wenig ansprechende Name dieses Abschnitts. Ernsthaft? Jetzt schon? Nein, so anstrengend ist es wirklich noch nicht. Nun heißt es Augen offenhalten, um eines der Wegzeichen zu erspähen: Drei stilisierte Nadelbäume, also passend für den Schwarzwald, wovon der mittlere der Buchstabe A ist. Mal ist die Markierung nur schemenhaft zu erkennen, als blasses Baumgraffiti, mal als Aufkleber auf einem Schild. Aber nur selten auf den ersten Blick und gut sichtbar. Dazu noch sehr weit auseinander, das ist ja der Kick für den Entdecker.

Übrigens war dies auch ein Grund, Urlaub zu nehmen und die Tour auf einen Werktag zu legen. Der Gedanke, an einem Wochenende den anderen Lemmingen zu folgen und dadurch schon hunderte Meter im Voraus zu wissen, wo der Weg langgeht, schien uns wenig reizvoll. Schnell stellt sich heraus, dass dies die richtige Entscheidung war. Wir sind fast alleine, nur auf den gut ausgebauten Wegen treffen wir auf andere Wanderer.   

Über Stock und über Stein und auch mal durch den Matsch

Schon bald zweigt der Weg nach rechts ab. Drauf haben wir gewartet. Nun geht es steil bergauf und querfeldein. Über Baumstämme und Felsen schlagen wir uns durchs Unterholz. Vorbei an Fichten und Tannen, das ist Schwarzwald pur. Büsche versperren uns den Weg, wir biegen Zweige zur Seite, quetschen uns hindurch. Trittsicherheit ist nun wichtig, der weiche Waldboden ist nun voller abgebrochener Äste und Steine, die es zu überwinden gilt. 

Wo geht es nun lang? Keine Markierung in Sicht. Sieht man Spuren? Nein. Also entscheiden wir uns und laufen drauflos. Und freuen uns dann doch, als wir zur Bestätigung unserer Entscheidung nach einigen Metern wieder ein Baumgraffiti entdecken.

Einer der spannendsten Stellen des Tracks ist die Kletterpassage mit Spezialtau. Gesichert mit einem Seil, müssen hier dicke Buntsandsteinbrocken erklommen werden. Zwecks Abenteuerfaktor (und ein paar lustiger Fotos wegen) nutzen wir die dicken Taue. Mit etwas Wandererfahrung und Trittsicherheit genügt es aber auch, lediglich die Hände zur Hilfe zu nehmen. Aber spektakulär sieht es aus, das muss man den Machern lassen, und vielen ist es sicher eine Hilfe. 😉

Hummelglück
Über Buntsandsteinfelsen kraxeln
Wo geht es lang?
Kletterpassage mit Spezialtau

Mythos Westweg

Ein Stück weit folgen wir nun dem Klassiker der Fernwanderwege im Schwarzwald, dem Westweg. Er wurde schon 1900 vom Schwarzwaldverein angelegt und zählt zu den „Top Trails of Germany“. Er beginnt in Pforzheim und endet in Basel. Wir jedoch bleiben auf dem Albtal-Abenteuer-Track. An dieser Stelle geht es schnell voran, die Waden können sich wieder etwas entspannen. Schön wäre es jetzt, auf einer der komfortablen Aussichtsliegen am Hahnenfalzweg Platz zu nehmen und den beeindruckenden Ausblick zu genießen. Es soll nicht sein, alles ist belegt. 

Nach einer kurzen Beobachtung der dicken Hummeln und einiger Zitronenfalter, die sich an den Frühblühern laben, geht es zügig weiter zur Schweizerkopfhütte. Unfassbar schön ist die Aussicht über das Gaistal weit in die Rheinebene hinein. Mit ein klein wenig Stolz betrachten wir von hier oben auch unseren Startort Bad Herrenalb. Ein ganzes Stück ist schon geschafft. 

Blick von der Schweizerkopfhütte weit über die Rheinebene

Nun verspüren wir ein klein wenig Hunger. Einen hübschen Picknickplatz finden wir bei der Hahnenfalzhütte. Bei der traumhaften Aussicht schmeckt das Vesper doppelt so gut.
Wer nicht den kompletten Track bewältigen will, findet hier die Familien-Variante der Etappe 1: Gleich bei der Hahnenfalzhütte geht es direkt hinunter ins Gaistal und von dort aus mit dem Bus zurück nach Bad Herrenalb. 

Hahnenfalzhütte der Skizunft Bad Herrenberg
Pause mit Traumaussicht vor der Hütte

Sprudelnde Quelle und teuflische Mühle

Für uns geht es bergab zum Albursprung, der in etwa 760 Metern Höhe idyllisch umrahmt von üppigem Grün vor sich hin sprudelt. Von hier aus nimmt die Alb ihren 51 Kilometer langen Weg durch den Nordschwarzwald und die mittlere Oberrheinische Tiefebene bis sie in Karlsruhe in den Rhein mündet. Weiter geht es hinab durch ein süßes Wäldchen mit Zwergbirken bis unter 700 Meter, bevor der Aufstieg zum höchsten Punkt des Tracks führt, nämlich 913 Meter. Auch wenn sich hier erneut ein hübscher Ausblick bietet, zieht es uns doch gleich weiter zur Teufelsmühle. Der Weg ist noch weit. Nicht zu übersehen sind die Grenzsteine entlang des alten Grenzwegs zwischen dem Großherzogtum Baden und dem Königreich Württemberg.

Wir erreichen die Teufelsmühle in Loffenau. Wer hier nach einer Mühle sucht, wird sie nicht finden. Der Ort verdankt seinen Namen einer Sage, nach der die unterhalb des heutigen Baus wild verteilten Sandsteinblöcke die Reste einer vom Teufel errichteten Mühle sein sollen. Die Teufelsmühle und der massive Aussichtsturm sind ein beliebtes Ausflugsziel. Kein Wunder, reicht doch die Aussicht über das Murgtal und in die Rheinebene. Außerdem ist hier der Drachenfliegerstartplatz angesiedelt. Übrigens ist die Gegend rund um die Mühle auch ein idealer Ort zum Heidelbeerenpflücken oder Pilzesammeln.

Leise sprudelt der Albursprung
Teufelsmühle des Schwarzwaldvereins
Traumaussicht von der Teufelsmühle ...
... von der man kaum genug bekommen kann

Jetzt geht es fast nur noch abwärts – auf den Spuren des Teufels

Der Track hat viele Highlights, keine Frage. Das für uns spektakulärste ist die Waldschlucht „Großes Loch“ und die faszinierenden Sandsteinhöhlen, die sogenannten Teufelskammern. Wie um die Teufelsmühle ranken sich um die Teufelskammern spannende Sagen. Hier soll einst der Teufel persönlich gehaust haben, auch das Erdweiblein, das aus Stroh Gold zaubern konnte, wurde hier gesichtet. Ob man den Geschichten Glauben schenken mag, bleibt jedem selbst überlassen. 

Unbestrittene Tatsache ist jedoch, welch faszinierende Landschaften und steinerne Skulpturen die Natur im Laufe der Erdgeschichte erschuf. Das „Große Loch“ entstand durch die stete Arbeit des Laufbaches vor über 200 Millionen Jahren in der Buntsandsteinzeit. „Das Gestein der Teufelskammern besteht aus einem geröllreichen Sandstein mit unterschiedlicher Festigkeit. Die Sandsteinpfeiler und das Dach der Teufelskammern trotzen Dank ihres härteren Gesteins bis heute der Abtragung. Weichere Gesteinsschichten wurden durch die Erosion herausgenagt und weggespült. So entstanden die steinernen Kammern oder Teufelslöcher“, ist in einem Infokasten zu lesen.

Spektakuläre Naturskulptur: die Teufelskammern
Waldschlucht „Großes Loch“
Im Inneren der Teufelskammern

Um noch ein wenig länger den unfassbar schönen Blick auf die Felsenlandschaft zu genießen, halten wir uns auf dem Weg ins Tal unterhalb der Teufelskammern rechts entlang der „Großen Loffenauer Runde“. Immer wieder halten wir inne, drehen uns um und lassen die abenteuerliche Szenerie auf uns wirken. In der Waldschlucht liegen Bäume wie Mikadostäbe kreuz und quer in einem Bett aus saftiggrünen Gräsern. Mächtige Felsen säumen den Weg.

Entlang der noch jungen Alb wandern wir zum Ausgangspunkt zurück, nicht über den beschriebenen Heuweg sondern über den Albtalweg entlang des „QuellenErlebnisPfades“ (vorbei am Aussichtspunkt „Hör mal“).

Entlang der jungen Alb zurück zum Parkplatz

Eine absolut herausfordernde und abwechslungsreiche Tour voller Highlights, die zurecht zu „Deutschlands schönstem Wanderweg“ des Jahres 2021 vom Wandermagazin nominiert ist.

Der Track in Zahlen

Länge: 25 Kilometer
Bergwertung: 1.000 Höhenmeter
Dauer: etwa 8 Stunden plus Zeit zum Genießen und Staunen

Die Tour und die GPX-Datei zum Herunterladen findet ihr bei Albtal-Tourismus
und bei Outdooractive.

Tipps:

  • Auch wenn es vielleicht ein wenig auf Kosten des Abenteuerfaktors geht, empfehlen wir zur Vorsicht, den GPX-Track vor Beginn der Tour herunterzuladen (teilweise wurden auch Markierungen mutwillig entfernt)
  • Ausreichend Getränke und Verpflegung mitnehmen (während unserer Tour gab es auf der Strecke nichts zu kaufen)
  • Festes Schuhwerk und eine gute Kondition machen es ein bissle leichter 😉
Eselsburger Tal

Eselsburger Tal

Wunder aus Stein: Eselsburger Tal und Spitzbubenhöhle

Die "Steinernen Jungfrauen" sind das Wahrzeichen des Eselsburger Tals

Faszinierende Felsgiganten säumen den Weg

Eine Tour im Zeichen beeindruckender Felsformationen, faszinierender Tierwelt und zarter Frühlingsblüten … okay, ich gerate ins Schwärmen. Besser, ich berichte der Reihenfolge nach: Start der Wanderung rund um die Brenzschleife ist in Eselsburg, einem Ortsteil Herbrechtingens auf der Ostalb. Die Brenz umfließt an dieser Stelle in einer rund fünf Kilometer langen Schleife den Umlaufberg Buigen.

Zunächst führt die Tour entlang des Asphaltsträßchens auf der östlichen Seite der Brenzschleife in Richtung Herbrechtingen. Für Wanderer wie uns, die eigentlich schmale Pfade und Wildnis pur lieben, ist ein breiter Fahrweg nicht der Traum schlafloser Nächte. Aber in diesem Fall säumt ein unfassbar schöner Felsengarten den Weg. Highlight sind die sogenannten „Steineren Jungfrauen“, das Wahrzeichen des Eselsburger Tals. 

Um die Felsnadeln rankt sich eine mystische, sehr traurige Sage, wie vor Ort auch auf einer Tafel zu lesen ist. Vor langer, langer Zeit soll ein wunderschönes, aber leider männerhassendes Burgfräulein … Doch ich will nicht zu viel spoilern, sonst ist die ganze Spannung weg. 

Ein Tipp für Photoholics: Gegenüber der Steinernen Jungfrauen liegt der kleine Eisweiher, in dem sich die Felsenmonumente und die Wolken malerisch spiegeln – ein schönes Fotomotiv!

Blick über den Eisweiher zu den "Steinernen Jungfrauen - hier leider ohne Sonne
Die Brenz schlängelt sich durchs Tal: Man genießt einen schönen Blick in Richtung Herbrechtingen

Hoch geht es auf die Wacholderheide

Ein gut sichtbarer Trampelpfad führt uns nun rechts hinauf auf die Wacholderheide. Nun heißt es Augen auf und nach den Kuhschellen oder Küchenschellen Ausschau halten, die es hier in größerer Zahl geben soll. Und so ist es. Während uns zunächst, in der nach dem langen Winter noch spärlichen Vegetation, hauptsächlich die großen Wacholderbüsche ins Auge stechen, lassen die violetten Blütenschönheiten auf sich warten. Doch oben auf dem Heidehügel angekommen, sind sie: Die Köpfchen erst ein wenig geöffnet, noch niedergedrückt von der Schneelast, die sie kurz zuvor ertragen mussten. Also, Kamera gezückt und auf zum Fotoshooting mit den Kuhschellen. Dafür muss und sollte man den Pfad nicht verlassen. 

Vor lauter Begeisterung darf man es nicht versäumen, den weiten Ausblick übers Eselsburger Tal zu genießen. Über die Felsnadeln und andere imposante Steinriesen hinweg, schweift der Blick über die mäandrierende Brenz. In der Ferne erscheinen die ersten Häuser von Herbrechtingen.

Pelzige Schönheiten: Die Küchen- oder Kuhschelle …
… auf der Wacholderheide trifft man sie auch in kleinen Gruppen an
Eselsburger Tal Schwarzwald
Auch die Aussicht in die andere Richtung ist ein Traum

Wilde Flora und Fauna – besser als jeder Zoo

Auf diesem Pfad gelangen wir zurück nach Eselsburg. Dort angekommen, lernen wir eine Menge über die Biber: In der alten Kläranlage gibt es eine Lernstation mit einem nachgebildeten Biberbau, ein wirklich lohnenswerter Stopp. 

Doch was ist das? Eine Bewegung in der Brenz lässt und innehalten. Ist das ein einheimischer Biber? Nein, viel zu klein. Es ist ein Bisam, der das Wasser der Brenz durchpflügt, kurz untertaucht und plötzlich auf der anderen Flussseite wieder zu sehen ist. Bisame stammen ursprünglich aus Nordamerika und sind an unser Klima gut angepasst. 

Währenddessen schreitet eine einzelne Graugans langsam am grasbewachsenen Ufer umher. Auch ein Graureiher hält nach Nahrung Ausschau.

Über die Brücke gelangen wir auf den Weg, der auf der westlichen Seite der Brenzschleife zwischen dem Flüsschen und dem Waldrand entlangführt. Neben einigen weißen Märzenbechern setzen im Hangwald Leberblümchen, Lerchensporn, Blausternchen und Traubenhyazinthen farbige Akzente. Da! Schon ist unsere Aufmerksamkeit weg von den Blüten wieder in Richtung Brenz gerichtet: zwei Nilgänse! Ein wild flatternder und schnatternder Ganter buhlt lautstark um eine Partnerin.

Lernstation Biberbau: alles, was Du schon immer mal über Biber wissen wolltest ...
... und gleich anwenden kannst: kein Biber sondern ein Bisam, der an der Brenz zu Hause ist
Die Graugans fühlt sich an der renaturierten Brenz wohl …
... ebenso wie die zugereisten Nilgänse: Hier buhlt ein Ganter um eine Partnerin

Immer der Brenz entlang

Und schon wieder könnte man ins Schwärmen geraten. Hoch oben auf dem Falkenfelsen thront die Domäne Falkenstein über der Brenz. Kaum hat man diesen Eindruck verarbeitet, folgt das nächste Highlight, der Bindstein. Er ist ein gigantischer Felsen, der mit seiner Wandhöhe von bis zu 30 Metern und seinem bombenfesten, glatten Gestein gerne von Kletterern frequentiert wird. 

Man braucht schon etwas Phantasie, um sich vorstellen zu können, dass der Bindstein im 12. Jahrhundert einmal ein Burgfelsen war. Nur noch einige Buckelquader und die künstliche Rundung der Felsspitze deuten auf den befestigten Wehrturm hin. Allein im Eselsburger Tal gibt es 13 Kulturdenkmäler mit Zeugnissen aus der Vor- und Frühgeschichte, die die Herzen von Geschichtsfans höherschlagen lassen. 

Nächstes Highlight und gleichzeitig unser „Wendepunkt“ ist die Bindsteinmühle am Rande des Eselsburger Tals. Nun geht es ein kleines Stück auf dem gleichen Weg zurück bis zu einer Brücke, die wir überqueren.

Der Lerchensporn oder „die Zottelhose“ wagt sich langsam aus der Erde
Ein gebührender Rahmen für die Domäne Falkenstein
Schwer vorstellbar: Der Bindstein war im 12. Jahrhundert einmal ein Burgfelsen
Brenz Idylle Schwarzwald
Idylle an der Brenz: die Bindsteinmühle am Rande des Eselsburger Tals

Die Märzenbecher-Blüte – ein Traum in Weiß

Unsere letzten Ziele sind die Eselsburger Spitzbubenhöhle und ein gigantisches Blütenspektakel: die Märzenbecher-Blüte im Hangwald! Etwa eine viertel Million Märzenbecher sollen im Eselsburger Tal vorkommen, ein Zehntel des Bestandes in Baden-Württemberg. Das darf man sich nicht entgehen lassen. 

Und tatsächlich, nun folgten am Waldrand entlang des Schotterweges Hänge, in strahlendes Weiß und leuchtendes Grün getaucht. Ein Meer aus Märzenbechern, soweit das Auge reicht. Hier auf der Ostseite des Tals bieten die streng geschützten „Großen Schneeglöckchen“ oder „Frühlings-Knotenblumen“, wie die Märzenbecher auch gerne bezeichnet werden, ein zauberhaftes Schauspiel.  Deshalb ist eine Wanderung in den ersten Frühlingswochen besonders empfehlenswert. 

Einziger Wermutstropfen waren die deutlich sichtbaren Baumfällarbeiten an einigen Stellen. Die tapferen Märzenbecher trotzten den Baumfällungen in diesem Paradies, bildeten zwischen den traurigen Baumstümpfen dennoch ihren weißen Blütenteppich – auch wenn der Anblick traurig stimmte. Wie die Stadt Herbrechtingen informierte, sind die Arbeiten auf Sturmschäden und auf das Eschentriebsterben zurückzuführen.

„Flowerpower and the rocks“: Tausende von Märzenbechern vor der Spitzbubenhöhle

Sehr schön ist das blühende Naturschauspiel vor der Kulisse der Spitzbubenhöhle in einem abgeschiedenen Seitental. Die filigranen Blütenkelche mit den typisch grünen Spitzen und den goldgelben Staubblättern vor dem schroffen Grau der Höhlenfelsen … einfach unschlagbar. Kurioserweise erscheint auf der topografischen Karte noch eine zweite Höhle, die südlich vom nahen Anhausen gelegene Klemmerhöhle, die ebenfalls den Namen „Spitzbubenhöhle“ trägt. Wir besuchten jedoch die Spitzbubenhöhle bei Eselsburg.

Zurück in Eselsburg, erreicht man einen großen Hofladen mit Café. Wenige Schritte davon entfernt, gibt es eine weitere Einkehrmöglichkeit im Wirtshaus Eselsburg mit „Brenzgarten“, das in „normalen Zeiten“ sicher einen wundervollen Abschluss der Tour bildet.

Zu guter Letzt noch die Spitzbubenhöhle bei Eselsburg
Ein krönender Abschluss der Wanderung: Wirtshaus Eselsburg mit „Brenzgarten“
Stuttgartologe Uwe T. Schaal

Stuttgartologe Uwe T. Schaal

Mittendrin in unserem BW:

Interview mit dem Stuttgartologen Uwe T. Schaal

Leidenschaftlich gern ein Stuttgarter: Uwe T. Schaal

„I wurd stark und groß mit Spätzle und Soß“

Stuttgartologe, Neudenker, Kolumnist, Stuttgarter Stadtführer und Schwabe mit Leib und Seele – all das ist Uwe T. Schaal.

Schon in jungen Jahren lag ihm die Schönheit „seiner Stadt“ Stuttgart am Herzen. Er schrieb Leserbriefe an die Stuttgarter Nachrichten, schrieb ans Rathaus, was ihm sogar ein Treffen mit dem damaligen OB Manfred Rommel verschaffte. Uwe ließ nie locker, engagierte sich im Zukunftsforum Feuerbach und dem Aufbruch Stuttgart. Mit seiner Webseite „Stuttgart-neu-gedacht“ macht er seine Ideen seit einigen Monaten öffentlich.

unser BW: Uwe, was treibt Dich an, Dich so sehr für Deine Heimatstadt zu engagieren?

Uwe: Stuttgart ist in der Fläche schön mit tollen Vierteln und lebendigen Treffpunkten. Leider gibt es aber auch an neuralgischen Punkten wie Königstraße und Marktplatz viel glanzlose Durchschnittsarchitektur.

Diese Meinung teilen viele Hauptstadtschwaben mit mir, aber scheinbar nicht jene, die hier für Stadtplanung zuständig sind. Solange ich noch schnaufen kann, kämpfe ich für Verschönerungen und gegen öde Rechteckarchitektur.

unser baden Württemberg menschen
Im Herzen der Stadt: das Neue Schloss

unser BW: Darüber schreibst Du ja unter anderem in Deiner E-Mail-Kolumne „Stadtsichter“. Seit vielen Jahren verewigst Du hier Deine Eindrücke aus unzähligen Stadtspaziergängen. Kostet das nicht irrsinnig viel Zeit?

Uwe: Zuallererst muss man neugierig sein. Man erlebt schon morgens auf dem Weg ins Büro Zwischenmenschliches, am Straßenrand Kurioses.

Als leidenschaftlicher Stadtbahnfahrer bewege ich mich alltäglich in einem Soziotop. Wichtig ist, keine festen Wege zu haben. Ich kaufe beispielsweise auch mal in anderen Bezirken meine Lebensmittel und streife dort durch die Straßen. Die SSB bringt mich immer wieder nach Hause. Aber ja, freilich kostet das Zeit. Kolumnist wird man als Stubenhocker nicht.

unser BW: Wie kamst Du zu dem ehrenhaften Titel „Stuttgartologe“?

Uwe: Das ist mir bei meinen geliebten Wortspielen während einer Stadtführung mit einer regelmäßigen Gruppe mal rausgerutscht (grinst). Alle waren sich einig, dass dies voll zu mir passen würde, und das ist hängengeblieben, also „bäbbt no“.

unser BW: Was würdest Du dem neuen OB Frank Nopper raten?

Uwe: Ich hatte schon einen kleinen Kontakt zu ihm. Raten kann man einem Chef von 15.000 Beschäftigten nur wenig. Auf meiner Webseite findet sich als Vorschlag eine Ausgehmeile am Neckar und natürlich möchte ich, dass sich Stuttgart architektonisch wieder mehr an seiner Vergangenheit orientiert, denn die Stadt gehörte mal zu den prächtigsten der Republik.

Er sollte sich Visionen nicht verschließen, denn allzu lange hat man nur vor sich hingewerkelt und selten groß gedacht.

unser BW: Du hast in allen vier Stadtregionen gewohnt: In den Innen-, Nord-, Filder- und Neckarbezirken. Gibt es einen Bezirk, für den Dein Herz besonders schlägt?

Uwe: Als gebürtiges Kesselkind würde ich gerne wieder dort wohnen. Dort ist es dicht aber auch sehr atmosphärisch, zumal immer mehr junge Familien dorthin zurückkehren. Während der Pandemie hat man einen sozialen Zusammenhalt gespürt, den man in den Reihenhaussiedlungen am Stadtrand nicht hat.

Favoriten sind das Bismarckplatzviertel (West) und der kleine Stadtteil Lehen (Süd). Ansonsten ist Feuerbach abseits der Durchgangsstraßen eine tolle Adresse mit viel Leben.

unser BW: Was bedeutet Heimat für Dich?

Uwe: Puh, eine Frage, mit der ich mich oft auseinandersetze (pausiert kurz). Ich kann mich seelisch tief auf einen Ort einlassen. Heimatgefühle habe ich in Stuttgart und Lugano.

Heimat ist aber vor allem meine Freundin, durch die ich Teilzeit-Ludwigsburger geworden bin. Somit habe ich also auch einen Blick von außen auf Stuttgart.

unser BW: An welche Stellen Stuttgarts führst Du Deine auswärtigen Gäste besonders gerne?

"Stuttgart hat viele Superlative und Besonderheiten"

Uwe: Das hängt davon ab, ob sie Neulinge sind oder die Stadt recht gut kennen. Die Karlshöhe ist sehr oft dabei, weil es hier tolle Straßenzüge gibt, Besonderheiten, wie das Lapidarium oder natürlich den Biergarten auf dem Buckel. Ich steuere immer einen Panoramapunkt an, wo ich dann einiges über die Stadt erzähle, die so viele Superlative und Besonderheiten hat, welche selbst Stuttgarter oft nicht kennen. Ansonsten arbeite ich auf Wunsch, und das umfasst alle Gegenden der Stadt.

unser BW: Hast Du einen persönlichen Lieblingsplatz in Stuttgart?

Uwe: Das ist stimmungsabhängig. Die ruhigen Momente kann man nirgends besser genießen als auf einem der beiden Plätzchen in der Falterau. Alte Gassen ziehe ich mir gerne in Hofen und Plieningen rein. Da ich aber eher ins Leben dränge, steht bei mir der Bismarckplatz ganz oben, auch wegen der tollen Lokale.

unser BW: In welchem Restaurant oder Café sieht man Dich am häufigsten?

Uwe: Stammrestaurant, wobei ich viele frequentiere, ist das Sultan Saray in der Filderstraße. Bei den Cafés möchte ich das „Zimt und Zucker“ nennen, Herbert‘z Espressobar und das Glora, weil es nur dort die italienische Trinkschokolade gibt.

unser BW: Du gehst auch gerne außerhalb der Stadtgrenzen im Land wandern. Wohin zieht es Dich am liebsten?

Uwe: Hmmm, noch eine fiese Frage. Ich kenne viele Flecken und die Entscheidung fällt immer wieder neu, je nach Stimmung. Völlig unterschätzt sind das Strohgäu, aber auch Stromberg und Kraichgau, die ineinander übergehen.

unser BW: Waren oder sind Deine Kinder ebenfalls begeisterte Wanderer?

Uwe: Die Armen sind durch eine harte Schule gegangen (lacht laut). Aber sie sind Läufer geworden und legen in Stuttgart oft viele Kilometer zu Fuß zurück, auch immer auf der Suche nach neuen Flecken. Sie bewegen sich überwiegend in der Stadt, während ich das ganze Ländle unsicher mache.

Unser BW: Wie hast Du es geschafft, sie dafür zu motivieren?

Keine Ahnung! Sie mussten zumindest lange betteln, bis sie als Kleinkinder auf Papas Schulter durften. Meistens haben sie rechtzeitig aufgegeben (grinst).

unser BW: Welche sind Deine Lieblings-Spezialitäten aus Baden-Württemberg?

Uwe: Auch als globaler Esser, was man in Stuttgart schon fast zwangsläufig wird, begeistere ich mich immer wieder für hiesigen Kartoffelsalat, Spätzle, Ofenschlupfer. In d’Linse kört Essig und in d‘r Nachdisch Zibebe!

unser BW: Typisch ist für Dich …?

Uwe: Mangelnde Selbstdisziplin. Man hat mir schon manch Talent nachgesagt, aber ich schaffe es einfach nicht, mich auf eines zu konzentrieren. Die einen schätzen meine Fotos, andere meine Schriften und auch als Moderator und Unterhalter war ich schon zugange. Ich kann halt von nichts die Hände lassen. Außer vom Haushalt vielleicht …

unser BW: Herzlichen Dank, lieber Uwe, für das inspirierende Interview!

Uwe: Immer wieder gerne! Außerdem noch ein Lob für „unser BW“. Toll gemacht und die perfekte Ergänzung zu meiner Großstädterei!

Mehr über Uwe T. Schaals Ideen 
gibt es hier

Rötenbachschlucht

Rötenbachschlucht

Genießerpfad Rötenbachschlucht

Rötenbachschluchthütte
Macht jedem Hexenhäuschen Konkurrenz: die Rötenbachschluchthütte

Im Reich der wilden Schluchten

Erst einmal tief einatmen und die Augen schließen. Ein würziger Duft von Tannen liegt in der Luft, gemischt mit dem Aroma des fruchtbaren Waldbodens. Nun öffne ich langsam die Augen: Irre, kann es so viele Grüntöne geben? Die dunklen Tannen ragen über uns empor, überall ist Moos, Farne säumen die Hänge. Ja, das ist Schwarzwald pur, so wie wir ihn lieben: ein dichter Tannenwald, ein gurgelnder und plätschernder Bach und wilde Wege. Dabei haben es uns die Wutach- und Gauchachschlucht besonders angetan, die ich schon in meiner Kindheit durchpflügte. 

Abenteuerliche Pfade und nebenan sprudeln die kleinen Wasserfälle

Fast noch ein Geheimtipp

Wie seine großen Schwestern Wutach und Gauchach hat der Rötenbach eine wildromantische Schlucht in die Landschaft gegraben. Auch die Rötenbachschlucht gehört zum Naturschutzgebiet Wutachschlucht. Dabei hat die Rötenbachschlucht einen unschlagbaren Vorteil. Während sich in der bekannteren Wutachschlucht insbesondere an den Wochenenden die Ausflügler drängeln, ist es in dem Seitental am Rötenbach angenehm ruhig. Und wild und urwüchsig ist die Rötenbachschlucht ebenso.

Wandergenuss vom Feinsten

Eng schmiegen sich die schmalen Pfade an den Steilhang. Mal mit dickem Wurzelwerk durchflochten, mal steinig und unwegsam und an manchen Stellen matschig windet sich der Weg durch die abenteuerliche Schlucht. Umgestürzte Bäume hängen kühn über den Felsen und lappen über den engen Weg. Ein wenig Trittsicherheit und ein ordentliches Schuhprofil sind da schon erforderlich.

Rötenbachschlucht Unser Badenwürttemberg
Verwunschen und wildromantisch: Der Rötenbach bahnt sich seinen Weg

Genießerpfad Rötenbachschlucht

Der Hochschwarzwalder Premiumwanderweg hat seinen Namen „Genießerpfad Rötenbachschlucht“ völlig zurecht. Tatsächlich sind es elf Kilometer Genuss pur. Wir beginnen die Rundwanderung am Parkplatz Hardt. Einige Zeit später erspähen wir die moosbedeckte, urige Rötenbachschluchthütte. Zwischen dem filigranen Moospolster wachsen auf dem Hüttendach sogar kleine Pilze. Weiter geht es den schmalen Pfad entlang über zahlreiche Brücken, vorbei an imposanten Felsformationen und kleinen Wasserfällen, die in Kaskaden die steinernen Hindernisse hinabrauschen. Schließlich kommen wir bei der Mündung des Rötenbachs in die Wutachschlucht an.

Skurrile Baumwesen, Pilzansammlungen und Flechten wie im Nebelwald säumen den Pfad

Dem Feldberg so nah

Jetzt heißt es kurz durchatmen und weiter geht´s hinauf zum Hörnle. Skurrile Baumwesen säumen den Weg, der sich nun merklich anstrengender emporschlängelt. Wir verlassen die Enge der Schlucht, die Landschaft weitet sich. Der Lohn für den kurzen Aufstieg ist eine Aussicht bis zum Feldberg und weit über die Schluchtenlandschaft hinweg. Ach, ist das schön.

Eine Aussicht bis zum Feldberg ist die Belohnung für den Aufstieg

Ameisen, Krebse und sonstiges Getier

Nun wandern wir durch den Krebsgraben. Mit ein bisschen Glück und natürlich mit Adleraugen, soll man hier auch mal einen Krebs entdecken können. Für jeden sichtbar ist die beeindruckende Vielfalt an Farngewächsen, die uns an dem magischen Ort präsentiert wird. Im Naturschutzgebiet Wutachschlucht gedeihen 40 Prozent der in Süddeutschland erfassten 2.800 Farn- und Blütenpflanzen, wie auf einer Infotafel zu lesen ist. Durch die Rötenbacher Wiesen, ein weiteres Naturschutzgebiet, geht es schließlich über den Ameisenpfad wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück. Der Ameisenpfad ist übrigens auch ein prima Tipp für Familien. Hier können die Nachwuchsforscher mit der Ameise Amina auf Entdeckungstour gehen.

Tourinfos

Länge: 11 km
275 hm
Schwierigkeitsgrad: mittel (unsere Einschätzung), Trittsicherheit erforderlich

Du willst am liebsten gleich loswandern? Hier findest Du die Tour.