Geschichte, Aussicht und Natur an einem einzigen Ort

Aalener Altstadt

WERBUNG | Das hätten wir wirklich nicht erwartet: Aalen verzaubert sofort. Wer wie wir zum ersten Mal hierherkommt, ist überwältigt von der Fülle an Möglichkeiten und weiß kaum, wo er anfangen soll. Wir haben so viel wie möglich erkundet, sind durch die lebendige Altstadt geschlendert und tief ins Erdinnere vorgedrungen. Dazu kamen unzählige Aussichtsorte, jeder für sich ein kleines Wunder, und unterschiedlicher hätten sie kaum sein können. Als Wanderfans hat es uns außerdem in die wilde Natur gezogen, und auch dort hat uns Aalen begeistert.

Was wir in zwei Tagen erlebt haben

Eigentlich dachten wir, ein Tag genüge, um einige Höhepunkte Aalens zu erkunden. Es wurden zwei vollgepackte, unvergessliche Tage. Bekannt ist die Stadt für das UNESCO-Weltkulturerbe Limes und das Limesmuseum, für ihre schöne Altstadt und als starker Wirtschafts- und Hochschulstandort. Doch schon nach kurzer Zeit merken wir, dass Aalen noch viel mehr zu bieten hat.

Von der Frittentüte zum Aalbäumle

Nur wo man zu Fuß war, ist man auch wirklich gewesen, meinen wir frei nach Goethe. Nach einem ausgiebigen Besuch der Landesgartenschau in Ellwangen beginnt unsere Entdeckungsreise in Aalen mit einer kleinen Wanderung. Wir starten bei den Limes-Thermen, einen Besuch heben wir uns für später auf. Der Weg führt uns direkt zur Frittentüte am Skilift. Vor Ort wird gleich klar, woher der Name kommt. Der kleine, rot-weiß gestreifte Aussichtsturm mit Blick ins Zochental sieht tatsächlich aus wie eine überdimensionale Frittentüte. Sie ist ein Überbleibsel des Kunstprojekts „Kiebitz“ des Aalener Künstlerkollektivs.

Von dort wandern wir hinauf zum Aalbäumle auf den Langert, dem Hausberg der Aalener. Es lohnt sich, den 26 Meter hohen Aussichtsturm zu erklimmen. Der Blick reicht weit über die Aalener Bucht und das Welland bis nach Ellwangen. Ein fantastischer Einstieg, der Lust auf mehr macht.

Tipp: Seit 1. Mai 2026 ist der Kiosk am Aalbäumle bei schönem Wetter jeweils an Sonn- und Feiertagen von 10:30 Uhr bis 17:30 Uhr geöffnet. Ob offen ist, kannst du schon von Weitem erkennen: Während der Öffnungszeiten weht eine Fahne auf dem Dach des Aussichtsturms. Alle, die ihre Einkehr gerne vorher planen möchten oder keine Sicht auf den Turm haben, können sich über den Instagram- oder Facebook-Kanal des Aalbäumles informieren.

Frittentüte
Aussichtsturm Aalbäumle
Weit schweift der Blick vom Aalbäumle

Glück auf im Tiefen Stollen

Am zweiten Tag geht es zeitig los. Erstes Ziel ist das Besucherbergwerk Tiefer Stollen in Aalen-Wasseralfingen. Lange vor dem Ruhrgebiet schrieb der Ort bereits im 17. Jahrhundert mit seinem Hüttenwerk Industriegeschichte. Von 1608 bis 1939 wurde hier Eisenerz abgebaut. Das unterirdische Labyrinth wuchs dabei auf rund sechs Kilometer Länge. Einen Teil davon besichtigen wir mit unserer Führerin Antonia Mall. Ausgestattet mit gelben und grünen Helmen, schmettern wir gemeinsam „Glück auf“, bevor uns die historische Grubenbahn 400 Meter weit ins Bergwerk hineinbringt. Nach einer spannenden Multivisionsschau geht es zu einem kleinen Rundgang durch die alten Stollen. Dabei tauchen wir ein in die harte, raue Arbeitswelt der Bergleute und wohnen einer „Sprengung“ bei. Der Heilstollen zeichnet sich darüber hinaus durch seine natürliche Heilkraft aus und bietet darauf abgestimmte Kuranwendungen an. Sogar heiraten kann man hier.

Unser Tipp: Im Berg herrscht konstant eine Temperatur von elf Grad. Am besten packst du auch bei Sommerwetter eine Jacke ein.

Glück auf! Fahrt mit der historischen Grubenbahn
400 Meter weit in den Tiefen Stollen
Rundgang durch die alten Stollen
Multivisionsschau zur Vorbereitung
Tiefer Stollen

Geschichte, Architektur und Stromlinienfahrzeuge in Schloss Fachsenfeld

Weiter geht es zum Schloss Fachsenfeld, einem Ort voller Überraschungen und Kontraste. Die Ursprünge des Schlosses reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Heute staunst du über eine opulente Jugendstil-Bibliothek, wunderschön erhaltene Zimmer mit historischen Möbeln und eine Kunstgalerie. Ungewöhnlich in diesen Räumlichkeiten wirken zwei silberne, aerodynamische Oldtimer, konstruiert von Reinhard von Koenig-Fachsenfeld.

Ist das nicht romantisch? Schloss Fachsenfeld

Tipp: Gartenliebhaber sollten unbedingt einen Streifzug durch den fast acht Hektar großen Landschaftspark machen. Vom großen Teich aus hast du den wohl schönsten Blick aufs Schloss, inklusive Spiegelung und weißer Seerosen. Beeindruckend ist der alte Baumbestand, allen voran eine 1862 gepflanzte Blutbuche und ein riesiger Mammutbaum von 1864. Seit 2020 schmücken zudem rund dreißig Skulpturen des Bildhauers Karl Ulrich Nuss den Garten.

Altstadtflair und Zeitreise zu den Dinosauriern

Noch ganz beseelt von den Eindrücken des Schlosses stürzen wir uns ins Getümmel der Altstadt. Gerade findet das Internationale Fest statt, ein mitreißendes Zeichen für ein gelebtes Miteinander von Menschen aus aller Welt. Bewacht wird das Treiben vom Aalener Spion. Im Turm des Alten Rathauses dreht er unermüdlich sein bärtiges Haupt, lässig mit einer Pfeife zwischen den Lippen, und beobachtet zu beiden Seiten die Straßen. Um ihn rankt sich die Sage, wie ein pfiffiger Bürger einst die Reichsstadt Aalen vor der Belagerung durch kaiserliche Truppen bewahrte.

In Aalen wird gern gefeiert: Internationales Fest

Hier wartet auch das Urweltmuseum auf uns. Kaum zu glauben, was rund um Aalen vor über 150 Millionen Jahren los war: Im Jurameer tummelten sich damals Riesenammoniten und Fischsaurier. Die hier gefundenen Versteinerungen waren so bedeutend, dass eine ganze Schichtstufe des Mitteljura nach der Stadt benannt wurde, das Aalenium.

Urweltmuseum
Aalener Spion im Turm des Alten Rathauses

Altstadt mit Führung

Im Museum erwartet uns bereits unser Gästeführer Joachim Werner. Lebhaft erzählt er von der wechselhaften Geschichte der Stadt, die durch die Römer entlang des Schutzwalls Limes geprägt wurde. Aalen entstand zwischen 1241 und 1246. 1360 erfolgte die Ernennung zur freien Reichsstadt. Immer wieder erwähnt Joachim die Brandkatastrophe von 1634, mit der offenbar eine neue Zeitrechnung der Stadt begann.

Schön anzusehen sind die vielen inhabergeführten Geschäfte und die Vielfalt an Restaurants, Kneipen und Cafés. Oder wie Joachim witzelt: „Wenn in Aalen nichts geht, eine Kneipe geht immer.“ Die Dichte an kulinarischem Angebot ist jedenfalls beeindruckend. Weiter geht es zum Spritzenhausplatz, einem beliebten Veranstaltungsort. Ein blumengeschmücktes Gebäude mit schöner Fachwerkfassade zieht uns in den Bann, die Begegnungsstätte Bürgerspital. Die nächste Station liegt in der Rittergasse, direkt neben dem Café Wunderlich. Die Fassade des Nachbarhauses wurde vom Künstlerverein Kollektiv K komplett mit Motiven der Aalener Stadtgeschichte bemalt, von der Steinzeit bis in die Gegenwart. Ein echter Insidertipp.

Spritzenhausplatz
Märchenhafte Architektur

Weiter spazieren wir zum Schubart-Haus in der Roßstraße, einem Bürgerhaus aus dem 17. Jahrhundert. Hier verbrachte der Dichter, Journalist und Musiker Christian Friedrich Daniel Schubart seine Kindheit und Jugend. Später wurde er als scharfer Kritiker der württembergischen Herrschaft berühmt und schließlich auf dem Hohenasperg für zehn Jahre inhaftiert.

Die evangelische Stadtkirche St. Nikolaus betreten wir durch das sogenannte Brauttor. Zunächst irritiert uns der ungewohnte Grundriss eines Quersaals. Spannend ist eine Gemeinsamkeit mit der berühmten Neresheimer Klosterkirche, führt Joachim aus: Der Künstler und Handwerker Thomas Schaidhauf war deren Baudirektor und fertigte auch die liturgische Mitte der Stadtkirche. Wer genau hinschaut, entdeckt ähnliche Arbeiten, verrät unser Guide. Auch andere in Neresheim tätige Künstler haben sich hier verewigt.

Stadtgeschichte mal ganz anders präsentiert
Stadtkirche St. Nikolaus

Krönender Abschluss der Führung ist eine Aufzugsfahrt auf das Dach des Rathauses. Von oben haben wir einen fantastischen Blick über Aalens Gassen und Dächer, die Stadt liegt uns förmlich zu Füßen. Ameisenklein flanieren die Besucher des Fests durch die Straßen. Diese Aussicht bleibt allerdings nur Gästen einer geführten Tour vorbehalten.

Über den Dächern der Stadt: Panoramablick vom Rathaus

Einkehrtipps: Empfehlenswerte Restaurants sind zum Beispiel die Bierhalle, das älteste Wirtshaus der Stadt, und das Rambazamba neben der Stadtkirche, bekannt für seine kreative, internationale Küche.

Zeitreise ins Römische Reich

Dort, wo vor rund 1.800 Jahren das mit etwa sechs Hektar größte römische Reiterkastell nördlich der Alpen entstand, geht es weiter ins Limesmuseum. Der einstige Militärplatz zählt heute zum UNESCO-Welterbe Limes. Wir lernen die fiktiven Bewohner des römischen Aalens kennen und besichtigen einen Teil der 1.200 Originalfunde sowie den archäologischen Park. Alles schaffen wir natürlich nicht. Wer Glück hat oder gut plant, erlebt sogar die zweijährlich stattfindenden Römertage. Dann füllt sich das alte Kastellgelände wieder mit Legionären, Reitern und Handwerkern wie damals.

Grüner geht‘s nicht: Spaziergang zum Kocherursprung

Nach so vielen städtischen Eindrücken zieht es uns hinaus in die Natur. Von den Tennisplätzen in Unterkochen aus machen wir uns auf den Weg zum Ursprung des Weißen Kochers. Entlang des plätschernden Flusses wandern wir durch den herrlich kühlen Wald, mal links und mal rechts über Holzbrücken. Auch wenn die eigentliche Quelle nach der Trockenheit der letzten Wochen kein Wasser führt, genießen wir die Idylle. Kurz bevor wir wieder aus dem Wald auftauchen, erspähen wir ein Bänkle im Fluss. Wir nehmen die Einladung an und gönnen den Wanderfüßen eine kleine Abkühlung. Das quellfrische Wasser hat gerade einmal neun bis zwölf Grad. Für eine weitere Erfrischung sorgt kurz darauf die Kneippanlage.

Tipp: Die Tour zum Nachwandern gibt es bei uns auf komoot: Hier geht’s zur Tour auf komoot

Weißer Kocher: eine Stimmung wie im Märchenwald
Abkühlung für heiße Wanderfüße

Hinauf zum Viadukt

Der Sommerabend ist lang, also nehmen wir uns ein weiteres Highlight vor. Wir spazieren zum alten Viadukt, einem beeindruckenden Bauwerk von 1901 mit vier Bögen, über 85 Metern Länge und rund 27 Metern Höhe. Früher fuhr hier die Härtsfeldbahn, liebevoll „Schättere“ genannt, bevor der Eisenbahnbetrieb 1972 eingestellt wurde. Heute sind hier Spaziergänger und Jogger unterwegs. Wir genießen die Ruhe im Wald und den Blick vom Bauwerk hinunter ins Tal.

Schättere-Viadukt von unten
Das Viadukt hat 85 Meter Länge und etwa 27 Meter Höhe

Eine Aussicht zum Dahinschmelzen

Als Tagesfinale fahren wir zur Sandbergkapelle am Rand der Aalener Weststadt, wo wir eigentlich den Sonnenuntergang erleben wollten. Obwohl sich die Sonne hinter einem Wolkenband versteckt, ist die Stimmung sehr romantisch. Von hier oben schweift der Blick weit über Aalen und die Ostalb. Wir können sogar die Drei Kaiserberge erkennen: Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen, die markanten Zeugenberge zwischen Göppingen und Schwäbisch Gmünd. Ein ruhiger, würdiger Abschluss für zwei Tage voller Entdeckungen.

Blick von der Sandbergkapelle zu den Drei Kaiserbergen
Die Sandbergkapelle ist ein romantischer Ort

Als wir am Ende unseres zweiten Tages die Heimfahrt antreten, sind wir uns einig: Aalen war für uns eine echte Entdeckung. Zwei Tage, unzählige Kilometer zu Fuß, und trotzdem haben wir das nagende Gefühl, noch längst nicht alles gesehen zu haben. Wir kommen wieder, so viel steht fest.

Wer noch mehr will: Abstecher zur Landesgartenschau nach Ellwangen

Wenn du noch etwas Zeit hast, empfehlen wir dir einen Abstecher ins nahe Ellwangen. Dort läuft noch bis Oktober 2026 die Landesgartenschau unter dem Motto „Lust am Wandel“, mitten in der neu gestalteten Jagstaue. Auf 26 Hektar erwarten dich Schaugärten, ein Stadtstrand an der renaturierten Jagst und ein cooles Veranstaltungsprogramm. Locker kannst du hier einen ganzen weiteren Tag verbringen.

Landesgartenschau Ellwangen

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Text: Evelyn Scheer
Fotos: Ralph Scheer

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