Backhäuser liegen wieder im Trend

Backhäuser liegen wieder im Trend

Jahrhundertealte Tradition: Backhäuser

“No net hudla” beim Brotbacken

Ein Brot zu backen, dauert seine Zeit. „No net hudla“, zu Deutsch „immer mit der Ruhe“ – oder wie die Jugend sagen würde „chill mal“ – ist eine wichtige Grundregel. Die schwäbische Phrase hat ihren Ursprung in den Backhäusern: Früher wischten Bäckersleute die heiße Asche mit einem nassen „Huddl“ aus dem Ofen, bevor sie das Brot einschossen.

In Mettingen ist diese Praxis damals wie heute aktuell, erklärt Doris Eisenmann, die Vorsitzende des „Fördervereins für die Erhaltung des Mettinger Backhauses und bäuerlichen Brauchtums“. Der „Huddl“ ist eine lange Holzstange mit einem nassen Rupfensack. Aber gemächlich geht es beim Auswischen ganz und gar nicht zu, da sonst der „Huddl“ verkohlen würde. Brotbacken ist eine Wissenschaft für sich und aufwendig dazu. Lohn der Arbeit ist der Genuss. Der Duft eines frisch gebackenen Brotes ist so verführerisch, dass vielen schon beim bloßen Gedanken daran das Wasser im Mund zusammenläuft.

Konrad Ruthradt heizt im Backhaus Mettingen ordentlich ein

Backhäuser auf königliche Anordnung

Im Landkreis Esslingen sind zahlreiche historische Backhäuser erhalten, die nicht nur Zeugnisse regionaler Backtradition sind, sondern heute vielfach von Vereinen und privaten Gruppen genutzt werden. Bürgerinitiativen und Kommunen engagieren sich in verschiedenen Städten und Gemeinden, um historische Backhäuser zu restaurieren und zu pflegen.

Die Tradition der Backhäuser reicht bis ins Mittelalter zurück, ihre flächendeckende Verbreitung wurde im 17. Jahrhundert durch hoheitliche Einschränkungen privater Hausbacköfen vorangetrieben, in Württemberg noch verstärkt durch die Feuerlöschordnung von 1808. Backhäuser fördern den Austausch in den Dorf- oder Stadteilgemeinschaften und die Wertschätzung echten Handwerks.

Nicht zuletzt tragen Backhäuser zur nachhaltigen Ressourcennutzung bei, indem unter anderem dünnes Reisig, das beim Obstbaumschnitt anfällt, gebündelt zu Reisigbüscheln (im Schwäbischen als „Krähle“ bezeichnet), zum Anfeuern verwendet wird. Nicht alle Backhäusle haben einen historischen Ursprung. Es entstehen auch neue Gemeinschaftsbackhäuser wie das in der Alten Seegrasspinnerei in Nürtingen, die den Trend zum gemeinschaftlichen Backen aufgreifen und Raum für interkulturellen Austausch bieten.

Von außen unscheinbar: Backhaus Esslingen-Mettingen
Rund oder eckig – Hauptsache die Kruste stimmt

Duftende Tradition im Backhaus Esslingen-Mettingen

Chefin Doris Eismann im Backhaus Mettingen
Manchmal bräuchte man auch hinten eine Schürze 🙂

Den Weg zum Backhaus würde man mit verbundenen Augen finden. Nur dem Duft entlang. Brote, Ciabatta und herzhaft belegte Dinnete ziehen die Passanten wie magisch an. Es ist Backtag in Mettingen und die Mitglieder des Backhausvereins wirbeln in dem kleinen Backhaus aus Sandstein umher. Teig vorbereiten, portionieren, Brote formen und Feuer machen stehen auf dem Tagesprogramm.

Auch Hörnchen funktionieren im riesigen Backofen prima

Konrad Ruthradt füllt Äste und Reisig in den Brenn- und Backraum, zündet alles an und sorgt für die perfekte Temperatur von 300 bis 400 Grad im Ofen. Ist sie erreicht, räumt er den Ofen aus, indem Asche und Glut entfernt werden. Dann kommt der Huddl zum Einsatz. Alles geht rasend schnell. Das eingespielte Team um Doris Eisenmann und Petra Haber arbeitet Hand in Hand. Mit einem Schieber schießen sie die Teiglinge in den Backraum ein. Was in der Bäckersprache martialisch klingt, bedeutet einfach nur hineinsetzen. Bis zu 42 Brote haben Platz. 40 entspannte Minuten später erblicken die Laibe wieder das Tageslicht – doch nur kurz, die Brote werden für eine gleichmäßige Bräune umgesetzt. Nach weiteren 30 bis 40 Minuten sind sie fertig.

„Wenn man auf den Laib von unten klopft, muss es hohl klingen, dann ist es fertig“
Doris Eisenmann. 

Kleinod stand kurz vor dem Abriss

Das Backhaus in Mettingen entstand als Folge der Vorschriften König Wilhelms I. von Württemberg, der freistehende Gemeindebackhäuser aus Brandschutzgründen anordnete. Die Weilergenossenschaft errichtete 1865 in Mettingen gegenüber der Liebfrauenkirche ein gemeinschaftliches Backhaus. Das Gebäude, das heute unter Denkmalschutz steht, vereinte ursprünglich eine Schnapsbrennerei und einen Backraum. Während die Brennerei bis 1970 betrieben wurde, verlor das Backhaus danach an Bedeutung und stand zeitweise vor dem Abriss.

Erst die Gründung des Backhausvereins im Jahr 1978 verhinderte den Verlust und führte zur Erhaltung und Wiederbelebung des Bauwerks. Der Verein hat heute etwa 15 Mitglieder zwischen 25 und 70 Jahren. An den Backtagen kannst du das frisch gebackene Brot direkt im Backhaus kaufen. Auch leckere Probiererle machen Lust auf mehr (gegen Spende). Übrigens: Am liebsten würdest du gleich selbst backen? Das ist möglich, es gibt noch Platz für neue Mitglieder.

www.backhaus-mettingen.de

Wo gibt es noch Backhäuser?

Wie viele Backhäuser derzeit im Kreis Esslingen noch betrieben werden, ist nicht bekannt. Wir haben uns in ein paar Städten und Dörfern auf die Suche gemacht und noch einige von den kleinen Häuschen mit den Riesenkaminen entdeckt. Manche davon stehen allen Interessenten offen, andere wiederum den eigenen Bürgern der Gemeinde, wieder andere sind nur bei Events geöffnet. Es lohnt sich also, mal einen Blick auf die Webseiten zu werfen.

Zwei auf einen Streich: Backhäuser in Wendlingen

Wendlingen erfreut sich zweier öffentlicher Backhäuser. Eines ist Teil des Stadtmuseums Unterboihingen, das 2005 vom Museumsverein Wendlingen-Unterboihingen in Betrieb genommen wurde. Im Museum können neben der Dauerausstellung im barocken Pfarrhaus unter anderem auch das Back- und Waschhaus besichtigt werden. Wer es selbst testen möchte, kann dort auch backen.

Das andere Backhaus steht im Weiler Bodelshofen. Es wurde 1990 auf Initiative des Bürgervereins Wendlingen e.V. in Zusammenarbeit mit der Stadt Wendlingen wiedererrichtet. „Es qualmt saumäßig“, sagt Sabine Köster, die Ansprechpartnerin des Backhauses. Deshalb sind die Öffnungszeiten zum Schutz der Anwohner eingeschränkt: freitags ab 12 Uhr und samstags ab etwa 8 Uhr

Kontakt und weitere Infos: Interessierte wenden sich für das Backhaus Bodelshofen an Claudia Geiger, Telefon 07024/809210 oder Sabine Köster, Telefon 07024/2774. Die Nutzungsgebühr beträgt 10 Euro, das benötigte, trockene und abgelagerte Reisig ist selbst mitzubringen. Ansprechpartner für das Backhaus Unterboihingen ist Peter Hoefer, Telefon 07024/501055. Die Backhäuser stehen allen Einwohnern Wendlingens offen; auch externe Besucher können nach Absprache zugelassen werden

Das hübsche Backhäuschen in Wendlingen-Bodelshofen
Brot essen ist keine Kunst, Brot backen dagegen schon

Die Tradition lebt! Sechs Backhäuser in Lenningen

In sechs von sieben Ortsteilen stehen in Lenningen den Einwohnern noch öffentliche Backhäuser zur Verfügung: Unterlenningen, Oberlenningen, Brucken, Schlattstall, Gutenberg und Schopfloch pflegen die alte Tradition bis heute. Jeder bringt sein eigenes Brennmaterial (meist Reisig) und Brotteig mit. Die Backhäuser sind mit bis zu vier Holzöfen ausgestattet. Pro Nutzung fällt eine Gebühr von vier Euro an.

https://www.lenningen.de/leben-wohnen/oeffentliche-einrichtungen/backhaeuser

Backhaus Oberlenningen idyllisch an der Lauter
Mit der Feuerwehr vereint: das Backhaus in Brucken
Von der Straße aus gesehen: Backhaus Oberlenningen
Hat schon bessere Zeiten gesehen: das Backhaus in Unterlenningen

Brauchtum wird in Aichwald großgeschrieben

Die Gemeinde Aichwald besitzt insgesamt fünf Backhäuser, die sich auf die Ortsteile Aichelberg, Aichschieß, Krummhardt und Schanbach verteilen. In Aichschieß gibt es sogar zwei Backhäuser, eines in der Alten Dorfstraße und eines im Grünen Weg. Backtage und Veranstaltungen in den historischen Kleinoden sorgen dafür, dass das Brauchtum auch in der heutigen Zeit weiterlebt. Rund um das Krummhardter Backhäusle zum Bespiel fand erst im August ein Dorffest mit Schaubacken statt.

https://www.aichwald.de/start/freizeit+_+kultur/backhaeuser.html

Backhaus Aichschieß in der Alten Dorfstraße
Backhaus Aichschieß im Grünen Weg

Das vermutlich jüngste Backhaus steht in Nürtingen

Auf dem Hof der denkmalgeschützten Industriebauten der Alten Seegrasspinnerei aus den 1870er Jahren steht seit 2016 ein vergleichsweise junges Backhaus. Es wurde von der Jugendwerkstatt des Trägervereins Freies Kinderhaus aus altem Bauholz und mit selbst hergestellten Lehmziegeln erbaut. Jeden ersten Mittwoch ab im Monat von April bis Oktober ist Backhaustag. Ab 18 Uhr geht es los, dann kann alles von Brot über Pizza bis Kuchen in den Ofen. Der Teig für die Backwerke muss mitgebracht werden. Geeignet ist das Backhaus für unterschiedliche Veranstaltungen wie Vereinstreffen, Geburtstags- oder Betriebsfeiern.

www.seegrasspinnerei.de/projekte/backhaus

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Text: Evelyn Scheer
Fotos: Ralph Scheer

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Galerienrundgang in Stuttgart

Galerienrundgang in Stuttgart

Galerienrundgang in Stuttgart: Kunst-Highlights von Malerei über Fotografie bis Skulpturen

Weilheim an der Teck Bertoldsplatz und Peterskirche

Kulinarische Kunst von Peter Anton in der Galerie von Braunbehrens beim Stuttgarter Feuersee (copyright Galerie von Braunbehrens  / Peter Anton)

Stuttgart hat kulturell viel zu bieten. Das Kunstmuseum, die Staatsgalerie, das Mercedes-Benz Museum und das Porsche Museum, dazu die Oper, das Ballett, Gauthier Dance im Theaterhaus und das Friedrichsbau Varieté auf dem Pragsattel. Stuttgart hat die Wilhelma, den Fernsehturm, die Grabkapelle auf dem Rotenberg, die Karlshöhe und den Monte Scherbelino mit jeweils wunderschönen Ausblicken ins Tal. Nicht zu vergessen unsere Stäffele, die uns fit halten.

Darüber hinaus hat Stuttgart viele kleine Galerien, die immer einen Besuch lohnen. Die aktuellen Ausstellungen stehen auf der Homepage der jeweiligen Galerien.

Kunst im Kies 

Wir starten unseren Galerienrundgang bei der Galerie Strzelski in der Rotebühlstraße 30. Brigitte Groth, Anna Herrgott und Eva Schwab waren die Künstlerinnen der letzten Ausstellung. Das Besondere an der Galerie Strzelski ist das Kieskabinett, in dem die Werke besonders gut zur Geltung kommen. Wenn man eintritt, spürt und hört man das Knirschen des Kieses. Mir gefällt das immer wieder. Ein Hingucker ist auch die bunte Leuchte am Empfangstresen.

Weilheim Peterskirche

Licht, Raum und Kulinarik

 

Die Galerie von Braunbehrens ist beim Feuersee in der Rotebühlstraße 87 und hat 500 qm Ausstellungsfläche. Es lohnt sich hier vorbeizuschauen. Lichtkunst, Raumkunst oder kulinarische Kunst, es ist für jeden etwas dabei. Einige Werke der kulinarischen Kunst von Peter Anton kann man immer anschauen. Ich liebe seine quietschbunten Muffins, die Bonbons, die Pralinen, die verschiedenen Eisangebote oder seine Früchte. Bis 19. April war die Gruppenausstellung „Abenteuer Wirklichkeit“ sehen.

Weilheim Peterskirche

Kunst, zum Anbeißen schön, in der Galerie von Braunbehrens (copyright Galerie von Braunbehrens  / Peter Anton)

Ateliers im Hinterhof

 

Die Ateliers im Westen von Tajana Marcinko und Anke Hoffmann sind in der Breitscheidstraße 91/1 und etwas versteckt in einem Hinterhof. Malerei, Grafik und Fotografie gibt es hier zu sehen. Märchenhafte und geheimnisvolle Frauen, Landschaften in Eis und leuchtende Berge, präsentiert von den beiden sehr sympathischen Künstlerinnen. Sie freuen sich über Besuch und geben gerne Auskunft über ihre Werke.
Öffnungszeiten: www.ankeho.com

Umwerfende Gemälde

 

Weiter geht es zum Galerienhaus 3.0 in der Breitscheidstraße 48. Hier präsentierten sich Hartmann Projects, Schacher – Raum für Kunst und Palmer Projects. Begeistert haben mich 2022 die wunderschönen Blumenbilder bei Hartmann Projects von Kathrin Linkersdorff aus der Serie „Fairies“.

Eine besondere Begegnung hatte ich 2019 bei Schacher – Raum für Kunst mit Tesfaye Urgessa, Nina Raber-Urgessa und deren Tochter Zoe Urgessa. Was für eine Begabung ist die Tochter Zoe! Sie erschafft Gemälde, die einen umhauen. Der Vater Tesfaye Urgessa ist inzwischen international hoch angesehen. Ich mag diese Familie!
Im Galerienhaus wurde am 18. März von Katrin und Marko Schacher eine Ausstellung mit Werken des Malers Ivan Zozulya eröffnet.

Wenn ich im Lotto gewinne, dann …

Die Galerie Thomas Fuchs ist in der Reinsburgstraße 68A, gegenüber ist der Gänsepeter Brunnen zu bewundern. Rainer Fetting, Ruprecht von Kaufmann, Patrick Angus und Yongchul Kim waren in den letzten Ausstellungen zu sehen. Ich bin begeistert von den Bildern von Rainer Fetting, ganz besonders von seinen Syltansichten und den Surfbildern.

Falls ich im Lotto gewinne, kaufe ich mir eines davon. Inzwischen gibt es einen weiteren Ausstellungsraum in der Augustenstraße 63, die gleich um die Ecke ist. Thomas Fuchs und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen geben immer gerne Auskunft über Ausstellungen, Künstler und Künstlerinnen. 

Galerie Thomas Fuchs ist in der Reinsburgstraße 68A

Gegenüber der Galerie: Gänsepeter-Brunnen

Rainer Fetting, „Grüner Kitesurfer“, 2021, Acryl auf Leinwand, 170 x 120 cm, Courtesy  Galerie Thomas Fuchs (Ausschnitt)

Zeitgenössisches und eine kreative Pause

 

Die Galerie Kernweine – Foto und Raum ist in der der Cotta Straße 4 – 6. Die Galerie ist ein Ort für zeitgenössische Fotografie und visuelle Medien.

In der Galerie ist ein wunderbares Café zum Kaffeepause machen. Zu den verschiedenen Kaffeespezialitäten gibt es Kuchen und andere Backware. Mittags werden auch Sandwiches und Quiches angeboten. Abends wird das Café zur Bar. Drinks gibt es natürlich auch tagsüber. An den Wochenenden gibt es von 10 – 16 Uhr „Breakfast Club“ ein ausgewähltes Frühstücksangebot.

Dies sind meine sechs Galerien, die gut an einem Tag besucht werden können. Man läuft ein gutes Stück durch die Stadt, kann aber jederzeit eine Pause einlegen. Dafür eignen sich viele Plätze in der Stadt, beispielsweise am Feuersee auf einer Bank, am Marienplatz im Café Kaiserbau oder auch in der Galerie Kernweine.

Aktuelle Ausstellungen

 

Galerie von Braunbehrens:
exiThibition – MARCK
21. April – 8. Juni 2023

Strzelski Galerie:
BLUR – Tomomi Morishima – Lennart Rieder – Da Shi
15. April – 27. Mai 2023

Galerie Fuchs:
Die Galerie ist bis 11.05.2023 wegen Vorbereitung der Ausstellungen „Rudy Cremonini. Whispered“ und „Danny Romeril. Old New“ geschlossen.

Galerie Kernweine:
THALIA Gochez ¿De DÓNDE ERES?
25. März – 25. Juni 2023

Hartmann im Galerienhaus:
Cold Mountain – Michael Lange 
24. März – 20. Mai 2023

Gastautorin Margot Pohle

 

Die Stuttgarterin Margot ist ein leidenschaftlicher Kulturfan. Ballett, Oper, Schauspiel, Gauthier Dance, Theater und Kunst sind ihre Welt. Auf Instagram begeistert sie mit ihren Videos bereits über tausend Follower. Bei verschiedenen Instawalks schaut sie auch hinter die Kulissen. Für den Künstlerbund Stuttgart hat sie einen Ausstellungsfilm produziert.

Alle Fotos in diesem Beitrag sind von Margot Pohle. 

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Burg Hornberg in Neckarzimmern

Burg Hornberg in Neckarzimmern

Burg Hornberg: Götz von Berlichingen und das zweitälteste Weingut der Welt

Bühnenreif inszeniert: Burg Hornberg

Götz von Berlichingens Traum

Hoch über dem Neckar thront die Burganlage Hornberg. Berühmt ist die Burg vor allem wegen ihres früheren Besitzers Götz von Berlichingen, der sich bereits als Teenager in die Burg verliebte. 1517 erfüllte er sich seinen Traum und kaufte die Burg Hornberg. Er verbrachte hier 45 Jahre seines Lebens.

Die Burg ist die größte und älteste Burganlage am Neckar. Auf dem Hornberg in Neckarzimmern befindet sich auch das älteste Weingut des Landes, das zugleich das zweitälteste Weingut der Welt ist.

Kurzurlaub in der Heimat

Seit Wochen freuen wir uns auf das Wochenende im Neckar-Odenwald-Kreis und vor allem auf das Rittermahl, das uns auf Burg Hornberg gereicht werden soll. Es war ein Geburtstagsgeschenk meiner Mutter, der ich diesen Beitrag ganz herzlich widme. Vielen Dank, liebe Mama, für das tolle Wochenende.

Schon von weitem springt uns die von der Sonne ideal inszenierte Burganlage ins Auge. Das ist ein erstes Foto wert: Also kurzerhand links auf einen Parkplatz fahren und die schöne Szenerie samt Brücke für die Ewigkeit einfangen.

Aussicht von der Burg auf die Weinberge und das Neckartal

Vollendete Gastfreundschaft

Ankommen, einchecken und schnell das Zimmer beziehen – wow, welch schöne Aussicht auf den Neckar und das Umland! Sodann machen wir uns gestiefelt und gespornt auf den Weg, die Gegend zu erkunden. Nur ganz kurz springen wir in die Touristeninfo der Burg, so war zumindest der Plan. Und die Realität?

Neben einem guten Wandertipp, den wir hier erhalten, kamen wir nicht um eine klitzekleine Weinprobe herum, denn in der Touristeninfo war neben einem Souvenirshop auch der Weinverkauf des historischen Weinguts. Es war nicht schwer, uns von einer Verkostung zu überzeugen. Was soll ich sagen, die Weine mundeten vorzüglich …

Einen guten Rat der Dame im Shop befolgten wir zudem: Wir kauften gleich die Eintrittschips für das Drehkreuz der Burgruine, um am nächsten Morgen als erste Besucher die Burg in Augenschein nehmen zu können. Doch dazu komme ich noch.

Imposante Burganlage mit dem ältesten Weingut Baden-Württembergs

Ritter für einen Abend

Etwas später als geplant, machen wir uns zu Fuß auf den Weg, vorbei an Wiesen und Weidetieren, durch dichte Wälder und etwas chaotisch zurück mitten durch das Gestrüpp. Unsere App „MAPS ME“, die wir sonst für Wanderungen absolut empfehlen können, schickt uns schnurstracks mitten in den Odenwälder Dschungel. Wir kämpfen uns hindurch und freuen uns umso mehr auf eine heiße Dusche und das nahende Rittermahl.

Als wir nicht ganz stilgerecht gewandet, also eher recht klassisch-sportlich gekleidet, zu Tische schreiten, staunen wir nicht schlecht. Lange Tafeln versprechen anstatt trauter Zweisamkeit eher neue Bekanntschaften. Wir haben Glück und unsere Nebensitzer erweisen sich als unterhaltsame Zeitgenossen. Das Rittermahl mundet vorzüglich auch wenn wir es uns eher etwas rustikaler vorgestellt haben. So trinken wir aus Weingläsern anstatt der erwarteten Hörner, die Speisen sind hübsch angerichtet.

Gereicht werden Holzofenbrot mit Griebenschmalz, Salat aus dem Burggärtchen mit Elzbach-Forelle, Grünkernsuppe wie Götz von Berlichingen sie liebte, Spanferkel und Weinschaumcreme. Ritterlich muten der Saal und der Gaukler an, der zur mittelalterlichen Tafeley aufspielt.

Der Odenwald, Mittelgebirge  im nördlichen Baden-Württemberg

Ein Zeitsprung in die Vergangenheit

Die Burg selbst ist absolut ein Besuch wert, wie wir uns am frühen Morgen überzeugen können. Dank der am Vortag gekauften Eintrittschips sind wir tatsächlich eine Zeit lang die einzigen Besucher. So können wir die prima erhaltene Ruine in aller Ruhe inspizieren: von dem fast vollständig erhaltenen mittelalterlichen Mauerwerk mit Türmen und Schießscharten aus unterschiedlichen Epochen, über Tore und Wohnbauten bis hin zu einer kleinen Kapelle.

Man meint fast, auf den Spuren des berühmten Götz von Berlichingen zu wandeln. Um dieses Gefühl voll auskosten zu können, beschreibt eine Tafel am Eingang, welche Burgteile aus jener Zeit stammen. Unglaublich aber wahr? Ein weiterer Höhepunkt ist das Verlies mit einem Skelett, der selbst kritischen Zeitgenossen das Gruseln lehrt.

Tipp: Wer im Internet „Burg Hornberg“ googelt, wird teilweise in die Irre geführt, da zwei völlig verschiedene Sehenswürdigkeiten bewertet werden: zum einen die hier beschriebene Burg von Götz von Berlichingen im Neckar-Odenwald-Kreis, zum anderen das Schloss in Hornberg im Schwarzwald.

Burg des Riters Götz von Berlichingen

„Er aber, sag´s ihm: Er kann mich im Ar… lecken!“

Berühmt wurde Götz von Berlichingen, der auch als „Ritter mit der eisernen Faust“ bekannt war, mit seinem berüchtigten Ausspruch, der vermutlich allen wohlbekannt sein dürfte: „Er aber, sag´s ihm: Er kann mich im Ar… lecken!“ Seine Autobiographie diente als Vorlage für Goethes gleichnamiges Drama, in dem der fränkisch-schwäbische Reichsritter Gottfried „Götz“ von Berlichingen zu Hornberg der Titelheld ist.

Höhepunkt der Weinkultur

Der legendäre Götz von Berlichingen betrieb auch erfolgreich Weinbau auf seiner Burg Hornberg. Seinen „Schleckerwein“ verkaufte er bis an den Kaiserhof in Wien. Jedoch war er nicht der erste Weinbauer auf der Burg. Schon 1184, bei Ersterwähnung der Burg, besaß Graf Boppo von Lauffen hier Weinberge.

Auf dem historischen Weingut gedeihen Riesling, Weißburgunder, Spätburgunder und Trollinger

Wein Lese Tage in Marbach

Wein Lese Tage in Marbach

Marbach, Schiller und der Wein: Wein Lese Tage

Literaturmuseum der Moderne in Marbach am Neckar
In der Marbacher Stadthalle, dem Schiller-Nationalmuseum und dem Literaturmuseum der Moderne wird geschwenkt, geschnuppert und genossen.

Wie macht man ein richtiges schwäbisches Schorle?

„Das ist eine schwäbische Weinverkostung, das heißt, hier spuckt niemand etwas aus“, stellt Comedian Fabian Friedl fachkundig fest. Stimmt, zumindest wird diese „Unsitte“ hier nur äußerst selten beobachtet. 

Bei den Marbacher Wein Lese Tagen treffen sich Liebhaber regionaler Weine und der Literatur. Geschwenkt, geschnuppert und genossen wird in der Marbacher Stadthalle, dem Schiller-Nationalmuseum und dem Literaturmuseum der Moderne.

Was der Beginn eines Blogs mit Friedrich Schiller zu tun hat

Was liegt näher, als einen Baden-Württemberg-Blog mit Buchstaben, die zu Wörtern verschmelzen, die sich wiederum zu Sätzen vereinen, zu beginnen? Nein, ich bin nicht abgehoben. Eigentlich bin ich ganz normal, meistens jedenfalls. Der heutige Tag steht jedoch im Zeichen der Wein Lese Tage in Marbach am Neckar. 

Eine grandiose Symbiose aus Wein und Literatur, die für so manches literarisches Siechtum, das man als Schüler durchleiden musste, entschädigt. Ich erinnere mich hier in der Schillerstadt Marbach ganz besonders an zwei Werke eben jenes Dichters: „Don Carlos“ und „Die Räuber“. Zwei Dramen, die einen als Jugendliche an den Rand der Verzweiflung trieben und die man im Erwachsenenstadium doch sehr zu schätzen weiß. 

Heute kann ich mit Fug und Recht behaupten, Literatur macht Spaß, sehr großen sogar. Zumindest oder sogar in Verbindung mit gutem Wein. Nun, wie auch immer: Mit diesem Beitrag feiert mein Blog „unser-BW“ Premiere.

Stadthalle in Marbach am Neckar, in der die Wein Lese Tage stattfinden
In der Stadthalle bleibt kein Glas und erst recht kein Gaumen trocken

Allein der Weine sind es 100 …

„So nehmt das Glas hier frisch zur Hand, geht damit dann von Stand zu Stand und kostet was die Winzer schufen als hätt´ der Herrgott sie berufen“, raten die Veranstalter in ihrem Messefilm. Nicht nur im Ausstellungsbereich der Stadthalle bleibt kein Glas und erst recht kein Gaumen trocken.

Gefüllte Weingläser dienen gleichzeitig als Eintrittskarte für das Rahmenprogramm. Wenn sie weg sind, ist der Raum voll und man erhält keinen Eintritt mehr. Ein Tipp der Veranstalter ist, dass in den „Randzeiten“, also zu Beginn und gegen Ende eines Veranstaltungstages weniger los ist. Es genügt dann, etwa 10 Minuten vor Programmbeginn vor Ort zu sein. Zu den anderen Zeiten sollten schon 20 bis 30 Minuten Zeit eingeplant werden. Es lohnt sich jedoch, den jeweiligen Gästeandrang im Blick zu behalten. Ein Gläschen Wein und eine unterhaltsame Gesellschaft versüßen die Wartezeit.

„Der Wein erfindet nichts, er schwatzt’s nur aus“

Trotz eines mittleren Menschenauflaufs vor dem Schillersaal im Schiller-Nationalmuseum ergattern wir uns noch zwei der begehrten Gläser. Auf dem Programm stehen „Wort, Wein und Musik“. Wir sind gespannt auf die beiden Akteure Ingo Klopfer und Michael Biehler. Rund um das Thema Wein – der werte Zuhörer ist überrascht, wie unerschöpflich es ist – geben sie Poesie, Prosa und Musik zum Besten. Unser Begleitwein war der Eberhard Ludwig Riesling Steillage halbtrocken. Wonach dieser riecht und schmeckt? „Nach Wein“, gibt ein anderer Besucher ehrlich zu und sorgte damit für vieler Lacher … 

„Man sagt, wer schreibt, trinkt auch“, klärt Ingo Klopfer auf. Was das das wohl für uns Blogger heißen mag? Für viele große Dichter und Denker galt der Wein als Lebenselixier. Einer der bekanntesten Weinliebhaber war Johann Wolfgang von Goethe. Wein zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Er huldigt dem edlen Tropfen in vielen seiner Werke. „Der Wein erfindet nichts, er schwatzts nur aus“, erkannte Friedrich Schiller. 

Marbach Baden Württemberg Stadthalle Weinstand
„Das Auge trinkt mit“: Liebevolle Dekoration an den Ständen

Prinzessin Eboli, Carmen trocken und Pfau Anton IV

Derart inspiriert begeben wir uns wieder in das Zentrum der Sinneslust, der Genussmesse in der Stadthalle. Elf Selbstvermarkter und vier Genossenschaften bieten über 100 Weine zum Verkosten an. Auch wenn der Ehrgeiz groß ist – man hat keine Chance, alle zu schaffen . 

 So hat jeder seine eigene Taktik: Jedem Stand mindestens einen Besuch abzustatten nebst Verkostung eines Weines und eines Stückchen Brotes? Oder die Weine mit den coolsten Etiketten probieren? Davon gibt es mittlerweile einige, auch die Zielgruppe und die Winzer werden jünger. Neben klassischen Weinbezeichnungen amüsiert man sich über Weinnamen wie Prinzessin Eboli, Carmen trocken, Pfau Anton IV, Unkaputtbar Regent und Mephisto Rotwein. Allein diese sind schon ein Grund für ein Probiererle.    

Don’t drink and drive …

Im moderaten Eintrittspreis ist alles enthalten: die Weinprobe, das literarische Rahmenprogramm, je ein Weinglas zum Mitnehmen und die Fahrt mit dem VVS. Es lohnt sich also, das VVS-Kombiticket schon vorab zu kaufen. Für Kurzentschlossene gibt es die Version zum Selbstausdrucken. Wer möchte schon zu einer literarischen Weinprobe selbst mit dem Auto fahren? 

Aller Unkenrufe und des zweifelhaften Rufes unserer Öffis zum Trotz, klappt es prima. Die S-Bahnen sind pünktlich und die sportlich bemessenen drei Minuten Umstiegszeit am Stuttgarter Hauptbahnhof reichen tatsächlich. Auch der Shuttle-Bus von und zur Veranstaltung funktioniert vorbildlich. Selten ist ein Hinweis so nützlich wie nach einem ganzen Mittag und frühen Abend voller Wein und Literatur: „Achten Sie auf den Höhenunterschied zwischen Zug und Bahnsteigkante“. Danke für die Warnung, lieber Verkehrsverbund.

Schnelles Rezept für ein schwäbisches Weinschorle

Doch wie kredenzt man nun ein schwäbisches Weinschorle? Hier klärt der Weinkolumnist Michael Weier im Rahmen des Programmpunktes „Comedy und Wein“ auf, der die Erkenntnisse seines Vaters verrät: „Das Wesentliche beim schwäbischen Schorle ist, dass man zuerst Wein ins Glas gibt und dann den Sprudel oben drauf. Weil, wenn man zufällig zu viel Wein ins Glas reinmacht, kann man ja ein Schlückle wegtrinken. Andersherum wäre das undenkbar.“ So einfach ist das.