Wein Lese Tage in Marbach

Wein Lese Tage in Marbach

Marbach, Schiller und der Wein: Wein Lese Tage

Literaturmuseum der Moderne in Marbach am Neckar
In der Marbacher Stadthalle, dem Schiller-Nationalmuseum und dem Literaturmuseum der Moderne wird geschwenkt, geschnuppert und genossen.

Wie macht man ein richtiges schwäbisches Schorle?

„Das ist eine schwäbische Weinverkostung, das heißt, hier spuckt niemand etwas aus“, stellt Comedian Fabian Friedl fachkundig fest. Stimmt, zumindest wird diese „Unsitte“ hier nur äußerst selten beobachtet. 

Bei den Marbacher Wein Lese Tagen treffen sich Liebhaber regionaler Weine und der Literatur. Geschwenkt, geschnuppert und genossen wird in der Marbacher Stadthalle, dem Schiller-Nationalmuseum und dem Literaturmuseum der Moderne.

Was der Beginn eines Blogs mit Friedrich Schiller zu tun hat

Was liegt näher, als einen Baden-Württemberg-Blog mit Buchstaben, die zu Wörtern verschmelzen, die sich wiederum zu Sätzen vereinen, zu beginnen? Nein, ich bin nicht abgehoben. Eigentlich bin ich ganz normal, meistens jedenfalls. Der heutige Tag steht jedoch im Zeichen der Wein Lese Tage in Marbach am Neckar. 

Eine grandiose Symbiose aus Wein und Literatur, die für so manches literarisches Siechtum, das man als Schüler durchleiden musste, entschädigt. Ich erinnere mich hier in der Schillerstadt Marbach ganz besonders an zwei Werke eben jenes Dichters: „Don Carlos“ und „Die Räuber“. Zwei Dramen, die einen als Jugendliche an den Rand der Verzweiflung trieben und die man im Erwachsenenstadium doch sehr zu schätzen weiß. 

Heute kann ich mit Fug und Recht behaupten, Literatur macht Spaß, sehr großen sogar. Zumindest oder sogar in Verbindung mit gutem Wein. Nun, wie auch immer: Mit diesem Beitrag feiert mein Blog „unser-BW“ Premiere.

Stadthalle in Marbach am Neckar, in der die Wein Lese Tage stattfinden
In der Stadthalle bleibt kein Glas und erst recht kein Gaumen trocken

Allein der Weine sind es 100 …

„So nehmt das Glas hier frisch zur Hand, geht damit dann von Stand zu Stand und kostet was die Winzer schufen als hätt´ der Herrgott sie berufen“, raten die Veranstalter in ihrem Messefilm. Nicht nur im Ausstellungsbereich der Stadthalle bleibt kein Glas und erst recht kein Gaumen trocken.

Gefüllte Weingläser dienen gleichzeitig als Eintrittskarte für das Rahmenprogramm. Wenn sie weg sind, ist der Raum voll und man erhält keinen Eintritt mehr. Ein Tipp der Veranstalter ist, dass in den „Randzeiten“, also zu Beginn und gegen Ende eines Veranstaltungstages weniger los ist. Es genügt dann, etwa 10 Minuten vor Programmbeginn vor Ort zu sein. Zu den anderen Zeiten sollten schon 20 bis 30 Minuten Zeit eingeplant werden. Es lohnt sich jedoch, den jeweiligen Gästeandrang im Blick zu behalten. Ein Gläschen Wein und eine unterhaltsame Gesellschaft versüßen die Wartezeit.

„Der Wein erfindet nichts, er schwatzts nur aus“

Trotz eines mittleren Menschenauflaufs vor dem Schillersaal im Schiller-Nationalmuseum ergattern wir uns noch zwei der begehrten Gläser. Auf dem Programm stehen „Wort, Wein und Musik“. Wir sind gespannt auf die beiden Akteure Ingo Klopfer und Michael Biehler. Rund um das Thema Wein – der werte Zuhörer ist überrascht, wie unerschöpflich es ist – geben sie Poesie, Prosa und Musik zum Besten. Unser Begleitwein war der Eberhard Ludwig Riesling Steillage halbtrocken. Wonach dieser riecht und schmeckt? „Nach Wein“, gibt ein anderer Besucher ehrlich zu und sorgte damit für vieler Lacher … 

„Man sagt, wer schreibt, trinkt auch“, klärt Ingo Klopfer auf. Was das das wohl für uns Blogger heißen mag? Für viele große Dichter und Denker galt der Wein als Lebenselixier. Einer der bekanntesten Weinliebhaber war Johann Wolfgang von Goethe. Wein zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Er huldigt dem edlen Tropfen in vielen seiner Werke. „Der Wein erfindet nichts, er schwatzts nur aus“, erkannte Friedrich Schiller. 

Marbach Baden Württemberg Stadthalle Weinstand
"Das Auge trinkt mit": Liebevolle Dekoration an den Ständen

Prinzessin Eboli, Carmen trocken und Pfau Anton IV

Derart inspiriert begeben wir uns wieder in das Zentrum der Sinneslust, der Genussmesse in der Stadthalle. Elf Selbstvermarkter und vier Genossenschaften bieten über 100 Weine zum Verkosten an. Auch wenn der Ehrgeiz groß ist – man hat keine Chance, alle zu schaffen . 

 So hat jeder seine eigene Taktik: Jedem Stand mindestens einen Besuch abzustatten nebst Verkostung eines Weines und eines Stückchen Brotes? Oder die Weine mit den coolsten Etiketten probieren? Davon gibt es mittlerweile einige, auch die Zielgruppe und die Winzer werden jünger. Neben klassischen Weinbezeichnungen amüsiert man sich über Weinnamen wie Prinzessin Eboli, Carmen trocken, Pfau Anton IV, Unkaputtbar Regent und Mephisto Rotwein. Allein diese sind schon ein Grund für ein Probiererle.    

Don´t drink and drive …

Im moderaten Eintrittspreis ist alles enthalten: die Weinprobe, das literarische Rahmenprogramm, je ein Weinglas zum Mitnehmen und die Fahrt mit dem VVS. Es lohnt sich also, das VVS-Kombiticket schon vorab zu kaufen. Für Kurzentschlossene gibt es die Version zum Selbstausdrucken. Wer möchte schon zu einer literarischen Weinprobe selbst mit dem Auto fahren? 

Aller Unkenrufe und des zweifelhaften Rufes unserer Öffis zum Trotz, klappt es prima. Die S-Bahnen sind pünktlich und die sportlich bemessenen drei Minuten Umstiegszeit am Stuttgarter Hauptbahnhof reichen tatsächlich. Auch der Shuttle-Bus von und zur Veranstaltung funktioniert vorbildlich. Selten ist ein Hinweis so nützlich wie nach einem ganzen Mittag und frühen Abend voller Wein und Literatur: „Achten Sie auf den Höhenunterschied zwischen Zug und Bahnsteigkante“. Danke für die Warnung, lieber Verkehrsverbund.

Schnelles Rezept für ein schwäbisches Weinschorle

Doch wie kredenzt man nun ein schwäbisches Weinschorle? Hier klärt der Weinkolumnist Michael Weier im Rahmen des Programmpunktes „Comedy und Wein“ auf, der die Erkenntnisse seines Vaters verrät: „Das Wesentliche beim schwäbischen Schorle ist, dass man zuerst Wein ins Glas gibt und dann den Sprudel oben drauf. Weil, wenn man zufällig zu viel Wein ins Glas reinmacht, kann man ja ein Schlückle wegtrinken. Andersherum wäre das undenkbar.“ So einfach ist das.

Wein Lese Tage in Marbach

Marbach am Neckar

Stadt der Dichter:
Marbach an Neckar

Schillerdenkmal in Marbach bei Vollmond
Schiller-Denkmal in der Parkanlage Schillerhöhe

Friedrich Schiller ist Marbachs Star

Württemberg ist Geburtsort großer Dichter wie Schiller, Hölderlin und Mörike. Und Friedrich Schiller ist der Lieblingssohn der Stadt Marbach am Neckar. Obwohl er nur seine ersten vier Lebensjahre hier verbrachte, seine Werke also an anderen Stätten erschuf, huldigt ihn die Neckarstadt wie keinen anderen. So gibt es hier, selbstverständlich, das Schiller-Geburtshaus, das Schiller-Nationalmuseum, das Schillerdenkmal, das Schiller-Gymnasium und natürlich das Ortsschild: Schillerstadt Marbach. Erst zu Schillers 100. Geburtstag war die Grundsteinlegung für sein Denkmal. Das Material hierfür lieferten 32 Zentner Kanonen aus dem deutsch-französischen Krieg. Welch schönes Ende einstiger Kampfgeräte.  

An dieser Stelle darf ein (erfundenes?) Zitat der englischen Königin Elizabeth II. nicht fehlen: „And where are the horses?“ Obwohl diese Worte (angeblich) schon 1965 aus ihr heraussprudelten, hält sich dieser Schwabenstreich bis heute. Wohl auch deshalb, weil es immer noch Touristen gibt, die die Schillerstadt Marbach mit dem rund 75 km entfernten Marbach, Heimat des berühmten Gestüts, verwechseln. Euch, liebe Leser, kann das nun nicht mehr passieren. 😉   

Schiller-Nationalmuseum
Das Schiller-Nationalmuseum thront auf der Schillerhöhe

Tipps für Besucher, Wanderer und Radfahrer

Tipp für alle Besucher

Marbach ist ein idyllisches Städtchen mit Fachwerkhäusern, Holdergassen und Türmen. Umgeben von Weinbergen und Streuobstwiesen thront das gut 15.000 Einwohner zählende Städtchen majestätisch hoch über dem Neckar. Es ist eine der ältesten Landstädte Württembergs. Die ummauerte und gut erhaltene Altstadt steht unter Denkmalschutz. Im beliebten Touristenort zieht es die Gäste vor allem zu den Schillerstätten und in die schnuckelige Altstadt. So ist Marbach auch eine Station an der Deutschen Fachwerkstraße, der Württembergischen Weinstraße und der Schwäbischen Dichterstraße. Unten am Neckar gibt es eine Schiffsanlegestelle.

Tipp für Radfahrer

Natur- und Kulturerlebnis können in der Region Marbach und Bottwartal auf einmalige Weise verbunden werden. Die Gegend ist bestens an das Fernradwegenetz angebunden: der Alb-Neckar-Radweg, der Württemberger Wein-Radweg, der Neckartal-Radweg, der Stromberg-Murrtal-Radweg und der Radweg Süddeutsche Fachwerkstrasse. Ein Stopp oder Abstecher nach Marbach lohnt sich schon allein deshalb, weil die radfreundliche Stadt unter anderem viele E-Bike-Lademöglichkeiten und Reparaturmöglichkeiten für Fahrräder bietet.

Tipp für Wanderer

Wie wäre es, einmal durch den Ort entlang des Württemberger Weinwanderweges zu „pilgern“? Die Schillerstadt und das Bottwartal bieten Routen sowohl für geübte Wanderer als auch für Genuss-Spaziergänger. Für Abwechslung ist gesorgt: Burgen, Grabhügel aus der Keltenzeit, Wald und Weinberge sind das ganze Jahr über eine Augenweide. Einige Touren sind auch für Rollstuhlfahrer oder Inliner geeignet.

Weitere Informationen gibt es auf der Seite von Marbach-Bottwartal. Hier gibt es online einen Rad- und Wanderführer, und du kannst eine kostenlose, nützliche Freizeitkarte bestellen.

Die Gewandeten mit der traditionellen Kleidung des 18. Jahrhunderts
Wie zu Schillers Zeiten: gewandet im Stil des 18. Jahrhunderts

Führungen und mehr

Um die Stadt besser kennenzulernen, bieten verschiedene Veranstalter zahlreiche Führungen an. Uns hat der Literaturspaziergang von Hahn, Kusiek & Laing gut gefallen. Eine sehr unterhaltsame Kurzvariante davon durften wir während der Wein Lese Tage erleben. Weitere Infos zu den Literaturspaziergängen gibt es bei litspaz.

Mehr Literaturhunger? 2020 ist das Jubiläumsjahr zum 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin. Im Marbacher Literaturmuseum kann Hölderlins Poesie spielerisch erlebt werden. Es gibt eine Eyetracking-Station, in der man erfährt, wie ein Gedicht gelesen wird. Berührt dich ein Gedicht emotional? Es gibt den Nachweis aufgrund des Hautwiderstands. Ein spannender Ansatz zum Erfahren klassischer Werke. Mehr Infos zum Hölderlin-Jubiläumsjahr hier.